Regenwetter und Höllenhitze in Taipeh

Regenwetter und Höllenhitze in Taipeh

Ich wurde von einer Person, deren Anonymität ich natürlich wahre, darauf hingewiesen, dass ich gefälligst mal wieder einen neuen Bericht schreiben soll. Ich erklärte dieser Person, dass ich mit einem Update warten möchte, bis ein paar updatewürdige Dinge passiert sind. Ich denke, dieser Moment ist nun erreicht. 

Lasst mich von meinem Aufenthalt in Taipeh erzählen. Ich war eine Woche dort und fühlte mich mal wieder im Hostel ein wenig zu wohl, sodass das Sightseeing etwas auf der Strecke blieb. Der Aufenthaltsraum war aber auch einfach zu gut. Viele Sofas, Darts, Tischkicker, Fernseher, riesig groß, nette Leute. 

 

Außerdem war erneut ein Taifun im Anmarsch. Bei meiner Ankunft hatte es schon in Strömen geregnet, in den nächsten zwei Tagen steigerte sich der Regen permanent. Am Samstag verließ ich das Hostel deshalb nur um nicht zu verhungern. (Ich habe ja schon seit Warschau nicht mehr selbst gekocht, weil ich die Hostelküchen nicht mag. Hier in Ostasien haben die Hostels jetzt gar keinen Ofen/Herd mehr, wahrscheinlich weil auswärts essen so billig ist). 

Ich schloss mich ein paar anderen Hostelgästen an, die schon seit längerer Zeit hier sind. Wir landeten in einem typisch taiwanesischen Mittagessenlokal. Dort bekommt man einen Teller mit Reis und kann dann verschiedene Beilagen aus der Auslage auswählen. Diese Beilagen waren etwas schwer zu identifizieren und ich versuchte die Dinge zu wählen, die am wenigsten nach Innereien oder Hund aussahen. Am Ende hatte ich Salat, Sesamhühnchen, glibbriges Tofu und irgendetwas Frittiertes, was sehr lecker war. Ob Gemüse oder Fleisch – keine Ahnung.

Am Sonntag hatte ich neue Energie getankt und machte mich voller Motivation auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Ich schaffte es zum bekanntesten Tempel von Taipeh, dem Longshan Tempel, bevor ich komplett durchnässt war. 

Auf eine Innenbesichtigung des Tempels hatte ich in Anbetracht meiner triefenden Klamotten keine Lust. Stattdessen sah ich mir das Ximen-Viertel an. Dort gibt es einige ziemlich verrückte Geschäfte und Restaurants. Mein Favorit: „Modern Toilet“ (Moderne Toilette) – ein Restaurant, in dem alle Gerichte wie Fäkalien aussehen. Ich war natürlich nicht drin. Hier stattdessen ein kleines Video über meinen Spaziergang durch Ximen.

Für Montag hatte ich eine Tagestour zu Wasserfällen im Norden der Insel gebucht. Am Sonntagabend bekam ich vom Veranstalter die Mail, dass die Tour aufgrund des Taifuns abgesagt ist. Die Hostelmitarbeiter warnten uns am Montag davor, aus dem Haus zu gehen. Ich habe noch nie einen so vollen Hostelaufenthaltsraum gesehen. Ich fühlte mich in Studenten-WG-Partyzeiten zurückversetzt. Ich feierte das Nichtstun und Faulenzen und freundete mich mit zwei Kanadierinnen an.

Seinen Höhepunkt hatte der Taifun in der Nacht, es war ziemlich stürmisch (in Deutschland muss es zu diesem Zeitpunkt auch sehr stürmisch gewesen sein). Am nächsten Morgen waren Sturm und Regen weg und die Hitze war da. Unfassbare Hitze. Was ich an diesem Tag angestellt habe, weiß ich gar nicht mehr. Ich zeige euch deshalb an dieser Stelle eine unsortierte Auswahl von Taipehfotos, die ich während meines Aufenthalts gemacht habe.  

Und Opa, für dich gibt es noch ein eigenes Foto. Hier deine Kollegen von der Taipeher Feuerwehr.

Der nächste Abschnitt handelt vom Scheitern. Ihr erinnert euch an die abgesagte Wasserfalltour? Diese Tour wollte ich unbedingt machen, also buchte ich sie für den Mittwoch erneut. Ich stand einigermaßen pünktlich auf und machte mich auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo der Bus um 8:45 Uhr am Ausgang Süd 1 abfahren sollte. Gegen 8:30 Uhr war ich am Hauptbahnhof, also alles gut. Da es hier aber ums Versagen geht, war natürlich in Wirklichkeit nicht alles gut. Ich fand „Süd 1“ nicht. Nach ein wenig Rumgerenne realisierte ich, dass ich nicht am Hauptbahnhof, sondern an einer Metrostation war. 

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass das Gebäude von außen mit dem Namen der Metrostation und mit „Hauptbahnhof“ beschildert war. Zu meiner Verteidigung muss ich außerdem sagen, dass der Bahnhof auf der Skizze des Veranstalters vom Schwierigkeitsgrad aussah wie der Umweltbahnhof Bullay. 

Was nun jedoch folgte war eine vierzigminütige Irrfahrt durch den meiner Meinung nach größten unterirdischen Gebäudekomplex der Welt. Wie ich langsam begriff, liegen an dieser Stelle zwei Metrostationen, ein Einkaufszentrum und der Hauptbahnhof alle nebeneinander. Mehrmals dachte ich, ich sei im Hauptbahnhof nur um irgendwann zu erkennen, dass ich immer noch in irgendeiner Metrostation bin. 

Inzwischen war es längst 8:45 Uhr durch, ich war völlig entnervt und verschwitzt (die Hitze) und wollte einfach nur noch für mich selbst den bescheuerten Ausgang Süd 1 finden, weil ich das nicht auf sich beruhen lassen konnte.  Am Ende fand ich einen Eingang Süd 1, vielleicht war es das, vielleicht auch nicht. Der Bus war natürlich längst nicht mehr da.

Zurück im Hostel erzählte ich meine Geschichte einer anderen Reisenden. Sie meinte, ihr sei genau das Gleiche passiert. Da ging es mir dann um Längen besser. Blöde Wasserfälle. Wären bestimmt eh unansehnlich gewesen…

Zum Abschluss meinen Taipehaufenthaltes sah ich mir die nationale Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle an. Chiang Kai-shek war der erste Präsident der Republik China (also im Prinzip Taiwan). Aus der Gedenkhalle ist inzwischen ein Gedenkplatz geworden, mit Theater- und Konzerthalle und Parkanlage.

 

Danach unternahm ich eine Klettertour. Taipehs höchstes Gebäude (und zehnthöchstes Gebäude der Welt) heißt Taipei 101. Es ist ziemlich teuer die Aussichtsplattform des Wolkenkratzers zu besuchen. Aber es gibt zum Glück eine Alternative. Es gibt in der Nähe des Wolkenkratzers einen Berg, den Elephant Mountain (Elefantenberg). Wenn man dort hochläuft, hat man auch eine super Aussicht. 

Ich habe die Stufen nicht gezählt, aber es sind sehr, sehr viele Stufen. Eine halbe Stunde voller Stufen. Auf den Treppen war richtig viel Publikumsverkehr und es war höllisch heiß. Das führte zu einer Art kollektiver Nahtoderfahrung. Die Masse schnaufte und schwitzte und überall sackten erschöpfte, rotgesichtige Desillusionierte auf die Bänke am Wegesrand. Es war schön mal nicht die unfitteste Person zu sein und der Ausblick am Ende war wirklich schön. (Das höchste Gebäude im Foto ist logischerweise Taipei 101).

Taipehaufenthalt hiermit beendet. Am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Zug nach Hualien an der Ostküste von Taiwan. Ja, ich musste dafür wieder zum Hauptbahnhof. Aber inzwischen hatte ich das System ja verstanden. Wenigstens war die Irrfahrt für etwas gut. 

Im Zug gab es keine Ticketkontrolleure. Ich checkte in Taipeh mit meinem Handy ein und in Hualien mit dem Handy wieder aus. Manchmal frage ich mich echt, warum Deutschland als so modernes, fortschrittliches Land gefeiert wird. Ich habe schon von mehreren Koreanern und Taiwanesen gehört, dass sie Deutschland als Mekka des technologischen Fortschritts empfinden. Völlig ungerechtfertigt, wenn ich sehe, was hier, vor allem in Sachen Transport, möglich ist. 

Hier wie immer zwei erste Eindrücke von Hualien. Auf dem ersten Foto ist der Bahnhof zu sehen.

Im Hostel machte ich recht schnell Bekanntschaft mit einem Belgier, der außerdem halb Filipino ist. Das war ein totaler Glücksgriff. Die Philippinen sind nach Taiwan nämlich mein nächstes Ziel. Bislang hatte ich aber nur den Flug gebucht und keine Ahnung, wo genau ich in den Philippinen denn hin soll. Bei den ganzen Inseln verliert man schnell den Überblick. Damian hat mir gestern Abend einen Plan erstellt, welche Inseln ich mir angucken soll. Juhu. Ich werde die Vorschläge genau so befolgen.

Hier in Hualien ist es übrigens noch heißer als in Taipeh. Es liegt ja auch noch etwas südlicher. Die Betten haben keine richtigen Bettdecken mehr, sondern nur den dünnen Bezug. Ich merke zum ersten Mal, dass mir die Hitze richtig auf den Kreislauf schlägt. Ich war den ganzen Tag müde. Davon abgesehen bin ich aber gesund und ich hoffe, das bleibt jetzt erstmal so.

Zum Abschluss des heutigen Berichts grüße ich ausdrücklich und hochachtungsvoll meine Schwester Marie, weil ich beim letzten Mal ihren Beitrag zu meiner gesundheitlichen Genesung unerwähnt gelassen hatte. Viel Spaß auf dem Campingplatz, liebe Marie.

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