Riga ist Siega

Riga ist Siega

Nein, ich bin mir nicht zu schade für dieses schlechte Wortspiel. Wo es doch so passend ist. Ich führe eine Wettkampfliste in meinem Kopf, auf der ich die Hauptstädte, die ich besucht habe, nach Gefallen ordne. Riga hat sich gerade an die Spitze gesetzt und wird wohl das Rennen machen.

Aber ich greife vor. Ich muss noch über meinen Abschied von Vilnius und Galina berichten. Ich habe meine Gastgeberin zum Glück morgens noch einmal zu Gesicht bekommen. Wir haben uns herzlich verabschiedet und dann bin ich auch schon zum Busbahnhof gelaufen, der zum Glück ganz in der Nähe der Wohnung ist. Diesmal bin ich mit einem Busunternehmen namens LuxExpress gefahren und ich ärgere mich jetzt schon, dass ich nicht auch die Fahrt nach Sankt Petersburg mit dieser Linie gebucht habe. 

Denn die Sitze sind komfortabel und vor allem hat jeder Platz On-Board-Entertainment wie im Flugzeug. Ich hatte am Abend davor noch gedacht, dass ich gerne mal wieder Prison Break schauen würde. Und so ein Zufall: es gab zwar bei den Serien nicht viel Auswahl im Bus, aber genau diese Serie hatten sie. Die vier Stunden bis nach Riga vergingen viel zu schnell.

Mein Hostel ist wieder sehr gut gelegen. Fußläufig vom Busbahnhof erreichbar und genau zwischen Altstadt und neuem Zentrum. Außerdem ist im Erdgeschoss ein McDonalds. Das ist schon ein wenig kurios. Um zum Aufzug zu kommen, der hoch ins Hostel führt, muss ich durch die McDonaldsfiliale durchlaufen.

Ich war bereits am frühen Nachmittag in Riga und hatte daher noch recht viel Zeit, einen kleinen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Meine erste Begegnung mit Riga war ein ganz toller Park gleich neben dem Hostel, der entlang eines Kanals verläuft.

Das war richtige Naherholung. Hinter dem Park beginnt das Jugenstilviertel der Stadt. Riga ist eines der großen europäischen Zentren des Jugendstils und in diesem Viertel sind besonders tolle Fassaden zu besichtigen. Viele waren wirklich bombastisch. 

Nur leider bin ich keine Architekturfotografin und in den engen Gassen bekommt man überhaupt keinen guten Winkel hin. Hier mal mein mickriger Versuch, ein paar der Fassaden einzufangen.

Den Abend im Hostel habe ich damit verbracht, Russisch zu büffeln. Das habe ich in den vergangenen Wochen arg vernachlässigt. Langsam rückt mein Russlandabenteuer in greifbare Nähe und ich habe alle Vokabeln wieder vergessen.

Heute bin ich sehr spät aufgestanden und habe dadurch das kostenlose Waffelfrühstück verpasst, das im Hostel angeboten wird. Morgen wird mir dieser Fauxpas nicht nochmal passieren. Mein Programm begann am Mittag mit der bewährten Walking Tour. Die führte uns diesmal durch das moderne Zentrum der Stadt und behandelte schwerpunktmäßig Rigas neuere Geschichte zu Zeiten der Sowjetunion und die heutige Beziehung zu Russland.

Was ich zum Beispiel nicht wusste: In Lettland ist Russisch die Muttersprache von knapp 40 Prozent aller Einwohner. Um einen Job zu finden, muss man oft mindestens Lettisch und Russisch sprechen können. Manchmal zusätzlich noch Englisch. Die stärkste Partei in Lettland ist seit Jahren die Partei „Harmonie“, die vor allem von der russischen Bevölkerung gewählt wird. Sie landet nach Wahlen jedoch bislang immer in der Opposition, weil keiner koalieren will. 

Wir sind an einem Gebäude vorbeigekommen, das mir sehr bekannt vorkam. Erinnert es doch sehr an den Kulturpalast, der in Warschau steht,  darauf verwies auch unser Tourguide. Vielleicht kann sich der ein oder andere erinnert. Dieses Gebäude hier ist heutzutage ein Bürogebäude. Zu Bauzeiten trug es den Namen „Stalins Geburtstagstorte“. Baubeginn war Ende der 1940er Jahre. Es sollte Stalin 1958 zu Ehren seines 80.Geburtstag präsentiert werden. Stalin starb allerdings bereits 1953. Und dann wusste man erst mal nicht, was mit dem Gebäude anzufangen ist und ob überhaupt weitergebaut werden soll.

Turm

Nach der Tour habe ich mir die Altstadt vorgenommen. Keine Autos. Das war nach Vilnius sehr angenehm. Und auch insgesamt kommt mir die Altstadt recht gelassen vor. Da sie recht groß ist, verteilen sich die Touristenscharen gut. 

Auch in der Altstadt gibt es tolle Jugendstilbauten und insgesamt ist architektonisch richtig viel geboten. Ich kenne mich da nicht aus, aber selbst ich sehe ja, wenn ganz viele unterschiedliche Baustile nebeneinander existieren. So viel Abwechslung habe ich auf meiner Reise noch in keiner anderen Stadt gesehen.

Durch die Stadt fließt die Düna (Wer hätte es gewusst?). An der Uferpromenade habe ich am Nachmittag ganz lange gefaulenzt, da die Sonne schien und der Wind so schön wehte und ich keine drängenden Termine hatte. 

Im Hostel war heute Filmeabend. Wir haben Grand Budapest Hotel geguckt. Den kannte ich davor noch nicht. Ganz schön abgefahren. Apropos Hostel. Das ist eines meiner Lieblingshostels bislang. Nicht zu groß, viele nette Leute, sauber, gemütlich.

Exkurs: „Essen International“ mit Anne

Ich habe heute Pelmeni gegessen. Die sind zwar Russisch, aber da es hier, wie wir gelernt haben, sehr viele Russen gibt, passen Pelmeni dann auch zu Riga. Es war ein Selbstbedienungslokal, in dem der Preis des Essens nach Gewicht berechnet wird. 2,22 Euro für mein Abendmahl. Perfekt.

Und jetzt folgt noch ein Nachbericht. Ich hatte beim letzten Mal vergessen zu erwähnen, dass ich in Vilnius in einem Restaurant war, in dem ich die litauische Spezialität „Cepelinai“ probiert habe. Ich sollte einen Blog schreiben zum Thema „Ohne Gemüse um die Welt“, denn es gibt doch durchaus einige Nationalgerichte, die ohne solches auskommen. 

Cepelinai sind Kartoffelklöße, die mit Quark oder Hackfleisch gefüllt sind. In meinem Fall mit Hackfleisch. Dazu gab es Schmand und eine durchsichtige Soße, die verdächtig nach purem Fett aussah. Ich sag mal so: Es war ok aber muss ich nicht wieder haben.

 

Dieser Beitrag hat 14 Kommentare

  1. Wow Anne, so coole Bilder – die Architektur dort sieht wirklich stark aus! Okay, ich denke 2020 wird das Baltikum geentert… 😉 Und DU bist mit schuld!

    1. Damit machst du keinen Fehler 😀 Und ich bin jetzt schon auf deine Bilder gespannt.

  2. Ich glaube ich muss meine Städtetrips für nächstes Jahr überdenken 🙂

    1. 😀 Wie, wo, was , warum?? Was sind denn bislang deine Städtetrips für nächstes Jahr?

  3. Wieder ein interessanter und unterhaltsamer Bericht. Eine Frage drängt sich mir aber auf: Wie kommst du denn in dein Hostel, wenn die McDonaldsfiliale geschlossen hat? 😉

    1. Diese Frage hat sich mir auch sofort aufgedrängt. Da ich aber immer vor 22 Uhr zurück im Hostel war, bin ich nicht Gefahr gelaufen, die Antwort auf diese Frage herausfinden zu müssen 😀

  4. Grüße vom „Kreml“ in der Türkei. Hier gibt es für die zahlreiche russische Klientel auch ganz viel Quark, Schmand, Joghurt und was dazwischen.

    1. Dann habt ihr ja im Moment quasi das gleiche kulinarische Angebot wie ich. Guten Appetit 🙂

  5. Wenn du zurück bist, koch ich dir auch gerne mal Hack mit Schmand. Oder Würstchen. Nur Fleisch, keine Beilage. Du bist dann bestimmt ganz dünn 😩

    1. Oder Wurstbolognese ohne Nudeln. Oder nur ganz wenige Nudeln. Als Eintopf kann ich mir das sehr gut vorstellen. Da kann dann auch ein Schmandhäubchen drauf sein 😀

  6. Obwohl nach unserer Zeit schon 00:56 h ist es nicht zu spät, mit Begeisterung Deinen neuen Reisebericht zu verinnerlichen. Ich muss sagen die Orte Deiner Reise werden immer schöner und interessanter. Es macht richtig Spaß
    indirekt mit Dir zu Reisen. Gute Nacht für Heute und wir bleiben verbunden

    1. Um 1 Uhr nachts turnt ihr noch rum. Das ist ein Lotterleben 😀

  7. Gerichte mit saurer Sahne oder Schmand werden dich in der nächsten Zeit begleiten. Bei den Russen ist es eine ständige Beigabe. Alles wird mit Smetana serviert.

    1. Der Schmand macht mir nix aus. Solange in Russland Fettsoße nicht auch zu den ständigen Beigaben gehört ist alles gut 🙂

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