Besuch aus Deutschland

Besuch aus Deutschland

Sarah, ich musste dieses Foto einfach als Titelbild nehmen. Ich habe so gelacht, als ich es gesehen habe. An alle anderen: Meine liebe Freundin Sarah hat mich in Warschau besucht. Also eigentlich ist sie mit ihrem Freund nach Warschau in den Urlaub gefahren und es hat zeitlich einfach perfekt gepasst, dass sich unsere Aufenthalte dort überschnitten haben.

Wir haben den Samstag gemeinsam in der Stadt verbracht. Zuerst waren wir in der Altstadt unterwegs, bis ein Regenguss über uns hereinbrach. Den haben wir in einem Café ausgesessen. Das war dann auch das erste Mal auf meiner Reise, dass ich irgendwo essen war, wo es eine Bedienung mitsamt Speisekarte gibt.

Der Regen hielt zum Glück nicht lange an, sodass wir nach dem Cafébesuch trockenen Fußes an die Weichsel laufen konnten. Im Gegensatz zu Prag, Bratislava oder Budapest ist die Stadt nicht so nah an das Ufer herangebaut. Es gibt nur ein paar kleine Bars und ansonsten Spazierwege und Spielplätze. 

In dem Park auf dem ersten Bild haben wir übrigens das Drachenfoto gemacht. Neben dem Drachen steht die Skulptur eines Bären, auf dessen Rücken ein Eichhörnchen sitzt. Der tiefere Sinn der Kunstwerke hat sich uns nicht erschlossen, es war keine Erklärung angebracht. Aber weil Drachen immer gut sind, hier noch eine zweite Variante.

Exkurs: „Essen international“ mit Anne

In Polen hat die Bar mleczny, die sogenannte Milchbar, eine lange Tradition. Sarahs Freund hat davon erzählt, ich hatte davor noch nie etwas davon gehört. Diese Bars gibt es seit Ende des 19. Jahrhunderts, hatten aber ihre Hochzeit während des Sozialismus (gab es sowas eigentlich in der DDR auch?). Es gab/gibt dort billiges, aber echt polnisches Essen. Man bestellt am Tresen und bekommt die Mahlzeit auf dem Plastiktablett. 

Ihren Namen haben die Milchbars aufgrund der Tatsache bekommen, dass dort früher vegetarische Gerichte auf Basis von Milch und Mehl serviert wurden. Heutzutage gibt es auch Fleischgerichte.

Ihr könnt euch bestimmt bereits denken, dass wir in einer solchen Milchbar waren. Es gab für uns alle Piroggen. Sarahs und meine waren mit irgendeinem Fleisch gefüllt, das aussah wie Thunfisch und geschmeckt hat wie Ragout Fin. Dazu gab es Schmand. Ich fand es mega lecker. Und es hat nur drei Euro gekostet und satt gemacht.

Sarahs Freund ist im Anschluss zurück ins Hotel und wir beide sind zum Hauptbahnhof gelaufen. Sarah wollte sich den ansehen und weil wir schon da waren, haben wir gleich meine Fahrkarte nach Białystok gekauft. Das war überraschend unkompliziert.

Neben dem Bahnhof gibt es ein cooles Shoppingcenter, von dem ich komischerweise gar kein Foto gemacht habe. Das Glasdach sieht aus wie ein Seifenblasenteppich. Und wo sind wir in dem Center gelandet? Bei Tchibo. Mein Favorit: ein Wäschesack, in dem man Kartoffeln in der Mikrowelle garen kann. Vielleicht gab es den diese Woche in Deutschland auch.

Danach mussten wir uns leider verabschieden. Das fand ich sehr traurig. Ich war so froh, als ich in Deutschland alle Abschiede überstanden hatte. Und jetzt doch noch einer. Aber hilft ja nix.

Ich bin am folgenden Tag nach Litauen aufgebrochen. Zuerst ging es nach Białystok. Diesmal eben mit dem Zug. In Polen endet nämlich das Königreich Flixbustan. 

Am Ziel wurde ich vor ein Problem gestellt, von dem ich nie dachte, dass es so ein Problem überhaupt geben könnte. Ich habe den Bahnhof nicht gefunden. Die Gleise waren natürlich da. Aber kein Gebäude. Da ich vier Stunden Aufenthalt hatte und es gerade zu gewittern anfing, war mir an einem solchen Gebäude sehr gelegen. 

Ich fragte eine junge Polin, die mir den Weg zu ein paar Containern beschrieb. Der Bahnhof wird gerade renoviert und ist hinter einem Gerüst verschwunden. Die Container waren der Ersatz, sahen aber verwaist aus. Ich habe dann Unterschlupf im nahen Busbahnhof gefunden. 

Den Zug nach Kaunas habe ich am Nachmittag wenigsten problemlos gefunden. Für so eine lange Fahrt waren die Holzsitze reichlich unbequem, der Blick aus dem Fenster jedoch sehr schön. Die Landschaft erinnerte zunehmend an Bullerbü. Hier mal ein Foto vom ersten „Bahnhof“ hinter der polnisch-litauischen Grenze.

 

Es war ein wenig nervig, dass der Zug einmal die Minute laut hupte. Ob da wohl ständig Leute, ohne zu gucken, über die Gleise laufen und fahren? (An den Bahnhöfen muss man hier übrigens tatsächlich über die Gleise laufen um zum Zug zu kommen. Das war in Prag und in der Slowakei auch so). Das würde zumindest erklären, warum im Zug in Dauerschleife kleine Lehrvideos abgespielt wurden, wie man als Verkehrsteilnehmer korrekt die Gleise überquert.

Eine positive Überraschung gab es dann auch noch. Die Fahrt war eine Stunde kürzer als gedacht. Mir war nämlich nicht klar, dass in Litauen bereits die Zeitverschiebung einsetzt. Ich bin jetzt eine Stunde vor euch.

Der Weg zum Hostel war zur Abwechslung mal wieder unproblematisch. Ich bin gelaufen und habe es gleich gefunden. Der Eingang liegt in einem Hinterhof und sieht etwas abenteuerlich aus. 

Innen ist es aber sehr gemütlich. Es ist wieder ein eher kleines Hostel mit drei Schlafzimmern (glaube ich), einem großen Wohnzimmer (sogar mit Fernseher) und einer riesigen Küche. Und im Gegensatz zu meinem WG-Hostel in Budapest sind die Mitarbeiter total nett und hilfsbereit. Die Mitarbeiterin, die mich gestern Abend empfangen hat, hat mir ganz viele Tipps für Kaunas auf meinen Stadtplan gemalt.

Kaunas ist die zweitgrößte Stadt Litauens und hat ungefähr 300.000 Einwohner. Direkt vor meinem Hostel ist die Einkaufsstraße. Die ist im Moment allerdings Baustelle, weil dort eine Allee angelegt wird. Es gibt eine süße kleine Altstadt mit mörderischem Kopfsteinpflaster und weiter oben auf dem Berg ein moderneres Viertel. 

Langsam merke ich, dass ich mich weiter von Deutschland entferne. Die Architektur wandelt sich, es gibt hier nämlich auch viele Holzhäuser.

Lustig finde ich, dass die hier Baufelder nicht absperren. Es gibt hier aktuell richtig viele aufgerissene Straßen, die wohl neu asphaltiert werden sollen. Fußgänger stapfen dort aber fröhlich durch und auch die Autofahrer stören sich nicht an den Buckelpisten. 

Zum Abschluss hier noch ein paar Impressionen von Kaunas (mit Erklärungen) und damit verabschiede ich mich für heute.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Jetzt bist du schon vier Wochen unterwegs. Wahnsinn. Ich lese alles ganz entspannt und freue mich über deine Erlebnisse. Wie kommst du im Baltikum mit der Sprache zurecht?

    1. Hallo Mutti, ich freue mich, dass du inzwischen entspannt bist. Im Baltikum sprechen zumindest die meisten jungen Leute sehr gut Englisch. Deshalb ist es hier noch kein Problem. Auf jeden Fall einfacher als in der Slowakei 🙂

  2. Mensch Anne… Dein Blog ist wirklich spannend und schön zu lesen. Mach weiter so, pass auf dich auf und vergiss uns nicht. Bis hoffentlich bald und ich mobbe hier immer noch alle raus für dich 😉
    Viel Spaß weiterhin!

    1. Ohh, das Angebot gefällt mir 😀 Vielleicht komme ich darauf zurück. Und danke für das Lob. Ich schaue übrigens regelmäßig auf der NOR, ob ich vllt wieder mal eine grandiose Livereportage von dir höre. Mit Gesang.

  3. Ohh wie toll!! Der Hostel Eingang sieht in der Tat ein wenig abenteuerlich aus 😀

    1. Ja, vor allem bin ich fest davon überzeugt, dass in dem Hinterhof ein Drogenversteck ist. Hab da komische Leute rumsuchen sehen 😀 Aber wie gesagt, drinnen sehr gemütlich und nett.

  4. Bär+Eichhörnchen? Das bedarf doch keiner Erklärung. Ich denke jedes Mal, wenn ich deine Einträge lese, wie krass schnell du unterwegs bist. Viel Spaß im Baltikum, da bin ich ja auch sehr gespannt, wie du das findest… Genieß die Zeit!

    1. Ja das stimmt, es geht wirklich schnell. Wenn ich dann in der Mongolei angekommen bin, gönne ich mir eine Verschnaufpause 😀

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