Hostelhorror: Die 10 nervigsten Dinge

Hostelhorror: Die 10 nervigsten Dinge

Sind wir mal ehrlich, ich schlafe in Hostels, weil sie unschlagbar billig sind, nicht weil ich Schlafsaalbetten einer Suite in einem Sternehotel vorziehe. Obwohl es solche Leute ja auch geben soll. Im Durchschnitt kostet mich eine Hostelübernachtung rund ein Fünftel bis ein Viertel von dem, was ich für ein Hotelzimmer zahlen würde. Dafür muss ich eben – je nach Hostel – ein paar nervige Umstände in Kauf nehmen (von der fehlenden Privatsphäre fange ich gar nicht erst an). Hier ist meine persönliche Hassliste der Dinge, über die ich mich am meisten aufrege.

10. Das Unsichtbarkeitsphänomen

Ich bin ganz sicher nicht darauf aus, mit jedem, der mir im Hostel über den Weg läuft, ganz dicke Freundschaft zu schließen, aber ich habe zum Beispiel nichts gegen einen kurzen Wortwechsel oder ein unauffälliges Zunicken. Immerhin schläft man ja im selben Zimmer. 

Wie sich herausstellt, gibt es aber Leute, die noch weniger Interesse an anderen Menschen haben, als ich. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es nicht gerade wenige Hostelgäste gibt, denen selbst ein kurzes „Hallo“ zu viel ist und andere lieber komplett ignorieren. Und immer ganz miesepetrig herumlaufen. Ganz schlechtes Karma.

9. Die übereifrige Putzkolonne

Hostels sind einfach nicht für Nachteulen wie mich gedacht. Wie ich bereits schilderte, kollidiert mein Tag-Nacht-Rhythmus regelmäßig mit dem meiner Mitbewohner. Er kollidiert häufig aber auch mit dem Tagesplan des Putzpersonals. Im Hostel hat sich das „Bitte nicht stören“-Schild leider noch nicht durchgesetzt, sodass ich morgens regelmäßig von der bettenbeziehenden, bodenwischenden Putzcrew geweckt werde, nachdem ich nach dem Lärm der Frühaufsteher gerade wieder eingeschlafen war. 

Ich verstehe die Notwendigkeit und freue mich ja auch, dass die meisten Hostels so sauber sind. Nervig ist es trotzdem. Ich gehe aber davon aus, dass die Mitarbeiter meine Anwesenheit als genauso störend empfinden, wie ich ihre. Also alles im Gleichgewicht.

Wenigstens kann man sich in solchen Betten ganz gut vor dem Putztrupp verstecken

8. Da schreit doch was!

Mir ist bewusst, dass ich mir nun den Zorn aller anwesenden Eltern einhole, aber damit muss ich leben. Kinder im Hostel sind für mich echt problematisch. Dabei denke ich natürlich gleichermaßen an mein Wohl und das Kindeswohl. Hier gibt es nun mal kein Spielzeug oder Platz zum Herumtoben oder andere Kinder oder ein Unterhaltungsprogramm. 

Was es hier hingegen gibt, sind dünne Wände, keinerlei Rückzugsraum, einen Aufenthaltsraum für alle und vor allem eine Küche für alle (Familien tendieren dazu, abends sehr ausgewogen zu kochen. Wenn die Küche klein ist, ist sie dann erstmal eine Weile blockiert). 

7. Die Mitarbeiterattrappe

Ich möchte ja gar nicht mit Salutschüssen und Radetzky-Marsch begrüßt werden, aber ich erhoffe mir von den Mitarbeitern an der Rezeption doch ein klein wenig mehr als das Aushändigen des Schlüssels. Ein gewisser Grad an Information sollte doch drin sein. 

Nett ist es, wenn die Mitarbeiter von allein mit relevanten Informationen zum Hostel herausrücken: Check-out-Zeit, Frühstücksangebot oder WLAN-Passwort. Schön ist es, wenn sie dir persönlich das Zimmer und das Hostel zeigen und ganz toll, wenn sie dir auch Infos zu Stadt und Aktivitäten geben. 

Einige Hostels schaffen nicht mal die Stufe „nett“, sei es aus Unlust, sei es, weil die Mitarbeiter gar kein Englisch sprechen, oder weil sie eigentlich gar keine Ahnung von irgendwas haben, da sie selbst erst vor zehn Tagen spontan  aus Nevereddlethorp angereist sind.

6. Das Sofa auf dem Flur

Hostels legen den Begriff „Aufenthaltsbereich“ sehr unterschiedlich aus. In manchen Unterkünften ist damit ein riesiges Wohnzimmer mit gemütlichen Sofas und Sitzsäcken inklusive Essecke und Außenbereich gemeint. Andere Hostels verstehen darunter eine winzige Küche mit zwei Stühlen (Jekaterinburg), ein dumpiges Kellerräumchen (Tallinn) oder ein Sofa auf dem Flur, auf dem ich gerade sitze, um diese Zeilen zu tippen (Ulan-Bator). 

In Krasnojarsk hatte ich die Situation, dass die Nachtrezeptionisten das Wohnzimmer ab dem späten Abend  als Schlafzimmer nutzten, sodass ich mich dort auch etwas fehl am Platz fühlte. 

Es gibt natürlich immer die Möglichkeit, ins Bett zu fliehen, aber von dort wird man spätestens um 21 Uhr von den ersten Zubettgehenden vertrieben, die gerne „Licht aus“ hätten. Er ist also leider nicht immer gegeben, aber für mich geht nichts über einen gemütlichen Aufenthaltsraum, wo ich niemanden…wo mich niemand stört.

Spätnachts in Nowosibirsk - endlich Ruhe im Aufenthaltsraum

5. Quietschen, Knarzen, Piepsen

Man kann versuchen, sich so geschmeidig, elegant und schwerelos zu bewegen, wie ein Leopard auf der Jagd, wenn das Gebäude nicht mitmacht, ist alle Mühe umsonst. Ich rede von knarzenden Holzböden im Schlafsaal, von quietschenden Doppelstockbetten, in denen man sich nicht umdrehen kann, ohne den Menschen, der unter dir schläft, zu wecken. Oder von Türen, die sich nur mit Gewalt schließen und öffnen lassen. 

Bei manchen Konstruktionen frage ich mich, ob die Erdenker jemals selbst in einem Hostel geschlafen haben. Bestes Beispiel war das 20-Bett-Zimmer in Tallinn, an dessen Tür ein Schloss mit Zahlencode angebracht war. Wenn man hineinwollte, musste man zunächst unter nervigem Piepsen den rund zehnstelligen Code eingeben, dann klackte laut das Schloss auf, dann musste man die Tür mit Gewalt aufstoßen und mit noch mehr Gewalt wieder zuknallen, damit sie auch wirklich schloss. Diese Konstruktion stellte sicher, dass immer, wenn am Abend jemand das Zimmer betrat oder am Morgen verließ, der komplette Schlafsaal geweckt wurde. 

4. Mehr IKEA, bitte!

Da komme ich nach langer Reise in meinem neuen Hostel an, freue mich, meinen großen Rucksack endlich loszuwerden und mich häuslich einzurichten und dann folgt beim Anblick des Schlafsaals Ernüchterung: kein Platz, kein Schrank, kein Stauraum. Ich hasse es, wenn ich meine Sachen nicht aus dem Rucksack rausräumen kann und den vollen Rucksack dann zu allem Überfluss auch noch mitten im Raum deponieren muss, weil unter dem Bett oder in einer Zimmerecke auch kein Platz ist. 

Na gut, irgendwie arrangieren und erstmal duschen. Ich gehe mit Handtuch, Kosmetikbeutel und Wechselklamotten ins Bad und erfahre die nächste Frustration: Blanke Wände, nicht das kleinste Regal, vielleicht ein wackliger Haken. Den Rest meiner Sachen deponiere ich über Türklinken, auf Toilettendeckeln und Heizungen. Es geht ja doch immer irgendwie. 

Nach der Dusche der Gang zum Supermarkt. Mit einer vollen Einkaufstüte komme ich zurück und will das Gekaufte im Kühlschrank verstauen. Dumm nur, dass Sean aus Australien, die Kleinfamilie aus Frankreich und die taiwanesische Reisegruppe schon vor mir da waren und 12 Liter Stella Artois, Kleinigkeiten fürs Picknick am nächsten Tag und Zutaten für drei Sonntagsessen vor mir dort verstaut haben. Jetzt muss gequetscht werden. Hauptsache die Kühlschranktür hält. Ob ich mein Essen am nächsten Tag wiederfinde, ist dann eine andere Frage.

Nirgendwo Stauraum - dann muss das Gepäck vor dem Bett stehen bleiben

3. Die Seite konnte leider nicht geladen werden

Ich habe bislang zweimal etwas Netflix geguckt. Ich komme ziemlich gut ohne aus. Aber für Recherchezwecke und für meinen Blog brauche ich Internet. Und oft und viel davon. Da wird es sehr schnell sehr frustrierend, wenn es fünf Minuten dauert, bis mir Google sagen kann, wo der nächste Supermarkt ist oder ich eins von 50 Fotos für den Blog hochgeladen habe. 

Manchmal ist das WLAN im Aufenthaltsraum gut, aber reicht nicht bis ins Schlafzimmer, wo ich in Anwesenheit lauter Schnarcher (Laute Schnarcher sind eigentlich Punkt 11 meiner Hassliste, aber die Liste geht ja nur bis 10) nachts auf Youtubevideo angewiesen bin. Manchmal ist das WLAN bis 23 Uhr gut und danach nicht mehr. Manchmal braucht man eine landesspezifische Handynummer um sich anmelden zu können. Und manchmal hat man zwar WLAN, einen Sofaplatz und einen Laptop, aber die nächste Steckdose ist bei blinkendem Akku 30 Meter entfernt. Aaaaahhh.

2. Bringt mir mal den Schweigefuchs

Ich mag einfach keinen Lärm, den ich nicht selbst verursache. Ich hatte mich ja schon über Leute ausgelassen, die morgens um 7 Uhr packen und rumoren. Hass habe ich aber auch auf die, die im Aufenthaltsraum ohne Kopfhörer Youtubevideos anschauen oder Gangstarap hören oder indische Popmusik, oder lautstark telefonieren, oder ständig die Nase hochziehen oder husten. Und dann diese ganzen Trampeltiere, die man schon von weitem hört, weil sie über den Boden stampfen und mit Türen knallen. Und glaubt man, sie sind endlich weg, kommen sie doch nochmal wieder, nur um noch zweimal mehr mit der Tür zu knallen. Oder die Leute, die sich ganz laut miteinander unterhalten, obwohl sie nebeneinander stehen. Manchmal lachen sie dann sogar. Auch laut. Ich bin da eben sehr empfindlich. 

Ein seltener Moment der Ruhe - mein Schlafgemach in Irkutsk

1. Erfrieren ist immer noch besser als Ersticken

Dieses Phänomen hat sich in den vergangenen Wochen zu meinem Hassthema Nummer 1 entwickelt. Am Anfang meiner Reise herrschte Hitzewelle in Europa, alle Fenster waren immer und überall auf, zusätzlich brummten die Ventilatoren. Es war zwar unglaublich heiß, aber wenigstens herrschte eine gewisse Luftzirkulation. 

Mit dem Ende der Hitzewelle schlossen sich die Fenster in den Schlafsälen. Denn die Mehrheit meiner Mitbewohner zieht es aus mir unverständlichsten Gründen vor, mit einer Horde anderer in einem geschlossenen Raum ohne jegliche Luftzufuhr zu nächtigen, anstatt sich im Notfall eben mal eine Socke anzuziehen.

Obwohl es ja auch nicht so ist, als ob draußen Minustemperaturen herrschen. Ich habe bislang immer in T-Shirt und Shorts geschlafen und nie auch nur annähernd gefroren. Trotz offenem Fenster. Ich gehe zu 99 Prozent als letzte ins Bett und wenn ich die Tür zum Schlafsaal öffne, kommt mir die Dunstwolke immer schon entgegen. Mit angehaltener Luft renne ich zum Fenster, reiße es auf und liege im Anschluss inzwischen paranoid in meinem Bett und passe auf, dass niemand aufsteht und das Fenster wieder schließt. Ist schon vorgekommen und hat zu nächtlichen Streitgesprächen geführt. Geschlossene Fenster – definitiv der größte Hostelhorror überhaupt.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Oh jaaa Anne… ich verstehe Dich nur zu gut!!! Besonders No.4, No.2 und No.1 sprechen mir aus der Seele! *grrrrrr – Fehlende Kleiderhaken und rücksichtslose egoistische „Mitbewohner“ in miefenden Schlafsälen bringen mein Weltbild schwer aus dem Gleichgewicht!!!

    1. Ja, aber echt. Was sind das für Menschen? 😀 Aber gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.

  2. Tja, die Welt ist nicht nur bunt. Die Erdlinge darauf sind oft auch recht wundersame Wesen. Betrachte das Ganze drumherum als Verpackung und erfreue Dich an die schönen Dinge die darin enthalten sind.

    1. Ja, wundersam ist das richtige Wort 🙂 Aber es kommen ja auch nicht in jedem Hostel alle Nervpunkte zusammen.

      1. Deine Großeltern haben ift sehr sehr schöne und weise Ratschläge für Dich… und auch für mich 🙂

        1. Ja, mit dem Alter wird man weise 😀

  3. Anne, I feel you! Kann eigentlich alle Punkte aus meiner bisherigen Hostel-Erfahrung unterschreiben, nur dass es sich bei mir meistens auf max 10 Tage am Stück beschränkt hat. Und Hey, nix gegen Stella – davon haben wir uns im Auslandssemester in Wolverhampton ernährt… 😉 Mega, du bist in der Mongolei – eine Hammerzeit!

    1. Toll Rebekka, jetzt würde ich eigentlich gerne ein paar Geschichten von deinem Auslandssemester in Wolverhampton hören. Hört sich vielversprechend an 😀 Irgendwie war das in unseren gemeinsamen Jahren nie so richtig Thema.

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