Pleite in Down Under

Pleite in Down Under

Mein vorletzter Tag in Indonesien markiert den bisherigen Tiefpunkt meiner Reise. Meine Kreditkarte wurde von einem Geldautomaten gefressen. Ich war sowieso schon schlecht gelaunt. Wegen der absolut nervigen Tourismusindustrie in Kuta. Wegen der Hitze. Weil ich mich fiebrig fühlte. Weil mein Hotel es nicht hinbekam, mir zum Frühstück Bananenpfannkuchen zu servieren, obwohl sie auf dem Menü standen. 

Und jetzt war also meine Kreditkarte weg. Der Geldautomat stand in einem Supermarkt. Die Supermarktmitarbeiter, die so gut wie kein Englisch sprachen, halfen mir herzlich wenig weiter. Mir ist schon klar, dass die Bank –  und nicht der Supermarkt – für den Automaten zuständig ist, aber ein klein wenig Hilfestellung könnte man einer Touristin ja schon zukommen lassen. 

Erst als den Mitarbeitern klar wurde, dass sie mich so schnell nicht loswürden, weil ich mich weigerte, den Laden zu verlassen, engagierten sie sich etwas mehr.  Einer der Mitarbeiter schlug vor, ich könnte in die Hauptstadt von Lombok fahren und dort bei der Bank vorstellig werden. Alternativ könne ich ihm meine Nummer geben. In so etwa fünf Tagen würde bestimmt jemand von der Bank im Supermarkt vorbeischauen und den Automaten öffnen. Dann würde er sich bei mir melden. Außerdem gebe es da eine Servicenummer der Bank, die sei aber im Moment nicht aktiv. Nein, eine andere Nummer gebe es nicht. 

Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich aus dieser Misere würde befreien können. Nach etwa einer halben Stunde drückte mir ein weiterer Mitarbeiter dann sein Handy in die Hand, er hatte tatsächlich jemanden von der Bank an die Strippe bekommen. 

Mein Hoffnungsschimmer wurde von meiner Gesprächspartnerin im Keim erstickt: Nein, ich bekäme meine Karte nicht wieder. Der Automat habe die Karte bereits zerstört, das sei im Sinne der indonesischen Vorschriften.

Ich musste am Ende also doch hilflos von dannen ziehen. Zurück im Hotel ließ ich als Erstes die Karte sperren und als Zweites atmete ich tief durch. Ich habe zum Glück, zum Glück eine zweite Kreditkarte. Leute, nehmt mindestens zwei Kreditkarten mit, wenn ihr im Ausland unterwegs seid.

Ich war leicht nervös, als ich versuchte, mit der Ersatzkarte Geld abzuheben (natürlich an einem anderen Automaten). Es klappte aber. Leider waren damit noch nicht alle Probleme gelöst. Es handelt sich um eine Prepaidkreditkarte, auf der nicht mehr allzu viel Geld drauf war. Ich überwies zwar sofort ein paar Hundert Euro, aber wir hatten Wochenende. Ich musste also bis zum Abschluss der Überweisung mit meinem Geld haushalten. Aber aus Studentenzeiten hatte ich noch Übung darin und ließ erstmal das Abendessen ausfallen.

Mein Geld investierte ich in die Taxifahrt zum Flughafen am nächsten Morgen (Nein, es gab wieder einmal keine Busse). Trotz meiner immer noch miesen Stimmung freute ich mich ganz dolle auf meine baldige Ankunft in Australien. Ich war ja auch schon fast dort. Von Lombok aus sind es nicht einmal vier Stunden bis nach Perth im Südwesten von Australien. Mein Abschied aus Indonesien wurde von strömendem Regen begleitet.

An dieser Stelle, wie gewohnt, ein kleines Fazit: Ich habe in diesem und im letzten Bericht ja teilweise ziemlich harsch über Indonesien geschrieben. Und ich kann mich auch nochmal wiederholen: In ganz Südostasien werden Touristen als Beute betrachtet, aber nirgendwo war es meinen Erfahrungen nach so schlimm wie in Indonesien. Das beginnt bei kostenpflichtigen Besuchen kleiner Dschungelwasserfälle und endet bei Kindern, die dir penetrant hinterherlaufen um dir Armbänder zu verkaufen und zum Teil ausfällig werden, wenn du ablehnst. 

Aber: Ich war total fasziniert von der Architektur auf Bali, vor allem die schwarzen Tempel mit den Myriaden von Steinfiguren. Die Wassertempel waren absolute Highlights und in dieser Form habe ich sie zum ersten Mal auf meiner Südostasienreise gesehen. Die Steilklippen auf Nusa Penida waren dramatisch schön. Man kann vielerorts wilden Affen begegnen, ohne sich besonders anstrengen zu müssen. Das Essen ist vorzüglich, was selbst ich als passionierte Fast-Food-Tante erkennen konnte. Der nächste Sandstrand ist nie weit entfernt, die Wellen machen nicht nur Surfer glücklich. 

Ich kann nur von dem winzigen Teil Indonesiens sprechen, den ich gesehen habe. Indonesien ist auf jeden Fall ein würdiges Reiseland. Ich glaube, ich war am Ende einfach insgesamt gedanklich fertig mit Südostasien und habe viele Dinge, die mich an der gesamten Region stören, auf Indonesien projiziert. 

Aber genug davon, lasst uns einen neuen Kontinent entdecken. (Bald kommen auch endlich mal ein paar Fotos, versprochen.)

Die Einreiserebestimmungen nach Australien sind  – ähnlich wie in Neuseeland- ziemlich strikt, weil beide Länder frei von Schädlingen sind, die es im Rest der Welt gibt, und das auch bleiben möchten. Ich wurde also etwas intensiver zu meinem Gepäck befragt als normalerweise, durfte dann aber überraschend schnell passieren. Darüber war ich so erfreut, dass ich meinen kleinen Rucksack vor Aufregung im Sicherheitsbereich vergaß. Den Fehler merkte ich erst, als ich hinter der Schranke war. Zum Glück kam mir da schon mein Sicherheitsbeamter mit dem Rucksack hinterhergelaufen.

Bevor ich den Flughafen verließ, probierte ich erstmal an einem Geldautomaten mit meiner zweiten Karte wenigstens etwas Bargeld zu ziehen. Klappte zum Glück auch in Australien. Das Geld brauchte ich für den Bus. Zum ersten Mal seit langem ließ ich die Taxifahrer hinter mir,  fuhr stattdessen mit dem Flughafenbus zum nationalen Terminal und stieg dort in einen Bus um, der mich in die Innenstadt brachte. Alles easy. Ich habe eine ganz neue Wertschätzung für einen funktionierenden ÖPNV. 

Für die ersten drei Nächte in Perth hatte ich mich noch einmal in einem Hotel einquartiert. Zum Zeitpunkt der Buchung wusste ich zum einen noch nicht, dass ich bei Einzug sehr knapp bei Kasse sein würde und zum anderen war ich der Überzeugung, mir einmal mehr einen grippalen Infekt eingefangen zu haben, den ich lieber im Hotel als im Hostel auskurieren wollte. Die Grippe stellte sich allerdings als sehr kurzlebig heraus. Das Hotel war aber schon gebucht und das letzte verbleibende Geld auf meiner Prepaidkarte reichte gerade so aus, um beim Einchecken die Rechnung zu zahlen. 

In meinem Zimmer angekommen, wurde ich vom Fernseher begrüßt. Das fand ich sehr witzig.

 

Überhaupt, der Fernseher. Ich hatte seit sieben Monaten kein Fernsehen mehr geschaut. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, mich durch die australischen Programme und ins Schlafkoma zu zappen.

Der nächste Morgen begann mit einem Blick auf mein Konto. Nein, das überwiesene Geld war noch nicht auf meiner Prepaidkarte angekommen. Mein Tagesprogramm durfte also nichts kosten. Und so lief und lief und lief ich und war im Siebten Himmel. Endlich wieder eine Stadt, in der es möglich ist, sorglos umherzulaufen. Voll Wonne blieb ich an jeder Fußgängerampel stehen, setzte mich auf jede Bank am Straßenrand, tanzte über Bürgersteige und war vom ersten Moment ganz von Perth entzückt. 

Und als ich dann eine Fußgängerzone entdeckte, wäre ich fast übergeschnappt vor Glück. Die erste Fußgängerzone seit Jekaterinburg.

Am Rand der Fußgängerzone suchte ich einen McDonalds auf. Viel Fett für wenig Geld. Zwei EggMcMuffins brachten mich durch den Tag.

Auch außerhalb der Fußgängerzone geht es in Perth ziemlich entspannt zu, man merkt der Stadt die zwei Millionen Einwohner definitiv nicht an. Perth ist Hauptstadt des Bundesstaats „Western Australia“ und liegt am Swan Fluss nicht allzu weit vom Meer entfernt. 

Ich lief an einigen Gerichten vorbei und fühlte mich fast heimisch. Heute stand vor einem der Gerichte ein Fernsehteam, da fühlte ich mich noch heimischer. In Perth ist auch die älteste Münzprägeanstalt Australiens beheimatet, in der die größte Goldmünze der Welt (Durchmesser 80 Zentimeter) zu finden ist. Da ich selbst leider keine große Goldmünze besitze, konnte ich mir am ersten Tag die Münzprägeanstalt nur von außen anschauen.

 

Am Tor zur Münze war ein Hinweisschild angebracht, dass man sich doch bitte wegen dem Coronavirus nicht in die Öffentlichkeit begeben soll, wenn man kürzlich in China war. An den Flughäfen in Lombok und Perth waren auch überall Hinweisschilder und Durchsagen zum Coronavirus und ich wurde bei der Einreise als Erstes gefragt, ob ich in China war. Die Fernsehnachrichten, die ich hier dank Fernseher jeden Abend aufmerksam verfolgte, sind auch voller Coronavirus.

Nun aber weiter mit dem Stadtrundgang. Nach Innenstadt und Fußgängerzone landete ich im vermutlich größten Park von Perth, dem Kings Park (Königspark). Schon der Eingang sah königlich aus. 

Ich ließ mich eine Weile treiben und landete durch Zufall auf meinem ersten Buschwanderweg, der mir tolle Ausblicke auf Perth gewährte, mich jedoch vor Mörderskorpionen verschonte.

Der Weg endete an einer Aussichtsterrasse, von der man einen erstklassigen Panoramablick auf den Swan Fluss hatte, der sich vor Perth breitmacht wie ein See. Ich hätte mal lieber auch ein Panoramafoto geschossen um die Szenerie einzufangen. In 4:3 macht das Ganze leider nicht so viel her.

Im Kings Park gibt es noch ganz viel anderen Schnickschnack, da kann man Wochen verbringen. Wassergarten und Lehrgarten und Botanischen Garten. Aber meine Füße meldeten sich so allmählich zu Wort. Ich schloss meinen Park deshalb mit einem famosen Baumwipfelpfadbrückenspaziergang ab.

Nach 15 gelaufenen Kilometern kam ich am späten Nachmittag wieder im Hotel an. Ein erneuter, hoffnungsvoller Blick auf mein Bankkonto wurde enttäuscht. Also ließ ich das Abendessen wieder aus, bettete mich und erfreute mich einmal mehr am australischen Fernsehprogramm.

Am nächsten Morgen setzte ich meine Erkundungen der Grünanlagen von Perth fort. Es gibt hier so viele Parks. An jeder Ecke. Zuerst landete ich in den Stirling Gardens, die auch den Obersten Gerichtshof von Westaustralien beheimaten (zu sehen auf dem zweiten Foto). Als ich ankam, saßen gerade viele Gerichtsmitarbeiter im Gras und aßen ihr Mittagessen. 

 

Gleich nebenan ist der Elizabeth Quay am Swan River, wo viele Fähren ablegen. Es gibt aber auch Restaurants, Bars, eine Fußgängerpromenade und eine tolle Aussicht auf Perths Hochhäuser. (Das Titelbild habe ich am Elizabeth Quay aufgenommen.)

Auf dem letzten Bild seht ihr eines der Wahrzeichen von Perth, einen futuristischen Glockenturm, schlicht Bell Tower genannt.

Entlang des Swan Rivers verläuft ein kilometerlanger Rad- und Fußgängerweg, ab und an zwacken Wege zu weiteren Parks ab. Mit den ganzen Palmen habe ich mich teilweise gefühlt wie in Miami. Ich war noch nie in Miami, aber so stelle ich mir Miami vor. 

Ich wäre gerne noch weitergelaufen. Der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach. Die Nachmittagssonne war extrem, meine Wasservorräte aufgebraucht, deshalb Rückzug ins Hotel. Dort erreichte mich die beste Nachricht des Tages: mein Geld war endlich auf meinem Prepaidkreditkartenkonto angekommen. Ich war wieder flüssig und musste nicht mehr mit meiner eisernen Bargeldreserve haushalten. 

Eigentlich wollte ich diesen Umstand mit einem umfassenden Abendfestessen feiern. Und so zog ich wiederbelebt erneut los um ein passende Lokalität zu finden. Allerdings war ich schnell ernüchtert. Ich wusste ja, dass Australien teuer ist. Die Burger bei McDonalds waren schon teuer. Aber ein richtiges Abendessen in einem richtigen Restaurant ist unbezahlbar. Da bist du im Nullkommanichts bei 20 Euro für ein einfaches Hauptgericht. Das brachte ich nicht übers Herz. 

Im Endeffekt kaufte ich mir einen Döner für acht Euro. Der war sein Geld aber auch wert. Das war ein richtig dicker Brummer. Ich ließ nichts davon übrig. 

Meine zwei Frühstückscroissants heute Morgen hatten den Gegenwert von zwei bis drei Übernachtungen in einem Hostel in Laos. Autsch. 

Ich verbrachte den Vormittag in einem weiteren kleinen Park, den Queens Gardens mit See und Seerosen und allem Pipapo. Die Fotos habe ich beim Rüberziehen auf den Computer aus Versehen gelöscht. Also glaubt mir, oder googelt. 

Am Nachmittag zog ich vom Hotel ins Hostel um. Ich kann ja nicht ewig leben wie die Königin von Frankfurt. Zwei Wochen lang hatte ich mich in Einzelzimmern breit gemacht. 

Perth ist zwar teuer, Perths Zentrum ist aber auch durch ein kostenloses Busnetz erschlossen. Ich bin ein großer Fan. Weil die Busse so oft kommen, sind sie auch nie überfüllt. Ich konnte also trotz Gepäck ganz gemütlich zur neuen Unterkunft reisen. 

Mein Hostel ist riesig, mein Viererzimmer winzig, die Hostelbesitzer sehr herzlich. Es gibt eine Küche. Ich hatte vergessen, dass man in teuren Ländern selbst kocht. Ich muss mich jetzt selbst verpflegen. Ich muss Zutaten für Gerichte in einem Supermarkt einkaufen. Ich habe das ein halbes Jahr lang nicht mehr gemacht. Das wird meine Mission für heute Abend.  

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Eine Weltreise bedeutet natürlich auch Gegensätze kennenzulernen. Perth erinnert mich ein wenig an Tel Aviv. Vielleicht aber auch nur weil das die einzige Metropole am Meer ist, die ich kenne.

    1. Also im Gegensatz zu Tel Aviv kommt mir Perth sehr viel kleiner und ruhiger vor. Also nicht so hektisch, alles sehr entspannt dort. Tolle Stadt. (Tel Aviv natürlich auch.)

  2. Da blitzt die Wertschätzung für westliche Kultur- und Kapitalismuserrungenschaften durch jeden Buchstaben 😀 Enjoy!

    1. Ein Hoch auf den Kapitalismus 😀

  3. Ja, wie heißt es so schön, wenn Einer eine Reise macht dann kann er was erzählen. Aber Du hast es überstanden und kennst jetzt, was (vorüber gehende) Armut bedeutet.
    Wenn man dann im Hotel noch so nett von seinem Fernseher begrüsst wird weis man, man ist wieder in der Zivilisation angekommen. Schon Deine neue Standortmeldung heute Morgen machte uns neugierig auf den nächsten Reisebericht. Nun ist er bereits da …und wir sind begeistert. Nun tritt auch für Dich mal eine Erholungsphase ein, Der Verkehr ist, wenn auch links, geregelt und das Kauderwelsch in einem verständlichen Sprachgebrauch gewechselt. Kurzum – goldene Zeiten für Dich. Wir wünschen Dir wieder ein glückliches Händchen bei der Auswahl Deiner Exkursionen und viel Spaß dabei.

    1. Ja, wie gesagt, aus Studentenzeiten kann ich mich noch gut daran erinnern wie das war, nur 3,57 in der Woche für Lebensmittel ausgeben zu können 😀
      Ich genieße weiterhin den geregelten Verkehr und gepflegte Konversation in einer mir geläufigen Sprache.

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