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Reisetipps von den Scorpions

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  • Beitrags-Kategorie:Russland

Eigentlich wollte ich den Kreml ja nicht unbedingt ansehen, wegen der langen Schlangen an den Kassen. Aber da war diese Stimme in mir, die mir immer zuflüsterte, dass ich doch nicht Moskau verlassen kann, ohne den Kreml gesehen zu haben. Was für eine lausige Touristin wäre ich dann. 

Also schlenderte ich an meinem zweiten vollen Tag in Moskau erst einmal ganz unverbindlich durch den Alexandergarten beim Roten Platz, wo auch die Tickets für den Kreml verkauft werden. Soo lange sahen die Schlangen gar nicht aus. Mal probeweise anstellen. Jap, das geht schnell. Innerhalb von 20 Minuten hatte ich mein Ticket. 

Ich hätte vorher einen Blick auf die Schlange am Eingang zum Kreml werfen sollen. Die war nämlich weitaus furchterregender. Aber nun hatte ich ja schon mein Ticket. Die nächste halbe Stunde brachte mich an die Grenzen dessen, was man einem klaustrophoben Menschen (mir) zumuten kann. Denn es gab keine geordnete Schlange sondern eine breite Treppe zum Sicherheitsbereich und von allen Seiten drängten und drängelten Menschen. Ich machte ein paar Atemübungen und überstand die ganze Angelegenheit irgendwie.

Jetzt zum Kreml. Der ist natürlich Putins Amtssitz (nein, ich habe ihn nicht gesehen) aber er ist auch eine jahrhundertealte Festung, um die sich hohe Mauern ziehen. Auf dem Gelände gibt es Paläste,  Museen, eine Rüstkammer. Habe ich mir alles nicht angesehen. Jedenfalls nicht von innen, weil man dazu Zusatztickets braucht. 

Mit meinem Billigticket konnte ich mir aber die fünf Kirchen ansehen, die dort direkt nebeneinander stehen. Das waren, soweit ich mich erinnern kann, die ersten russisch-orthodoxen Kirchen, die ich von innen gesehen habe und es war wirklich sehr interessant, weil sie von oben bis unten wie ein Comic bemalt sind. (Man durfte von innen keine Fotos machen.) Ach und in einer der Kirchen stand ich vor dem Sarg von Iwan dem Schrecklichen.

Spätestens nach der vierten Kirche wurde dann aber doch alles irgendwie redundant. Ich lief noch kurz durch die sicherlich sehr schöne Gartenanlage, aber der anhaltende Regen hinderte mich daran, dort länger zu lustwandeln. Damit war der Kreml guten Gewissens abgehakt. Den toten Lenin auf dem Roten Platz habe ich mir aber nicht angeschaut. Das muss ja nun wirklich nicht sein. 

Hier nochmal ein Foto vom wegen der Aufbauarbeiten verunstalteten Roten Platz. Im letzten Beitrag hatte ich keins geliefert.

Auf dem Foto rechts erkennbar ist das Einkaufszentrum GUM, das früher ein staatliches Warenhaus war. Es ist riesig groß und beherbergt vor allem Luxusgeschäfte. Ich schätze aber, dass rund 97 Prozent der Menschen, die es ins Einkaufszentrum zieht, Leute wie ich sind. Haben keine Knete und wollen nur mal gucken. Denn das Gebäude sieht nicht nur von außen toll aus, sondern auch von innen. 

Aus den Lautsprechern kam Zwanziger-Jahre-Swing. Es mutete alles sehr retro an.

Natürlich war ich auch neugierig auf die Moskauer U-Bahn, die ja mindestens genauso schön sein soll, wie die in Sankt Petersburg. Es war nicht meine pfiffigste Idee, die U-Bahn während der abendlichen Rush Hour zu bewundern. Es wurde deshalb nur eine kleine Tour. Aber ja, viele Moskauer Metrostationen sind auch sehr toll.

Die Station, an der ich aus der U-Bahn zurück ans Tageslicht geklettert bin, liegt in unmittelbarer Nähe zum weltberühmten Bolschoi-Theater. Da hätte ich sehr gerne eine Führung mitgemacht, die sind aber schweineteuer. Und die Vorstellungen wahrscheinlich erst recht. Ich habe nicht geguckt, ich hätte eh nichts zum Anziehen gehabt.

Bolschoi-Theater in Moskau

Als es dunkel wurde, ging ich noch einmal zum Roten Platz. Mir wurde gesagt, dass der in der Nacht ganz toll beleuchtet ist. Und tatsächlich, alle Gebäude werden angeleuchtet, aber den Vogel schießt das GUM-Einkaufszentrum ab. Der Verantwortliche für Lichtdekoration heißt wahrscheinlich Clark Griswold. Und neben dem Einkaufszentrum ist eine Straße, in der man unter einem Sternenteppich hindurchgehen kann. Das sah schon tagsüber toll aus. 

Am nächsten Tag hätte ich sehr gerne das Kosmonautenmuseum besucht, das war aber ausgerechnet während meines Besuchs geschlossen. Wussten die nicht, dass ich komme? Bei der Suche nach einem Ersatzplan habe ich keinen Reiseführer zu Rate gezogen, sondern die Scorpions. And that’s why I followed the Moskwa down to Gorki-Park. Ok nicht ganz. Ich bin mit der U-Bahn bis runter an die Moskwa gefahren, habe dann aber selbständig die Brücke zum Park überquert. Windig war es übrigens nicht. 

Der Gorki-Park ist riesig groß und ist wie der Central Park in New York ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt. Es gibt Seen und Blumenbeete, Volleyballfelder, einen Sandstrand, Karussells und so weiter eben. Im hinteren Teil führt er bis an die Moskwa heran.

Ich habe noch gar nichts weiter über mein Hostel erzählt. Mit dem war ich wieder sehr zufrieden. Viele nette Leute, ganz international. Und ein Bett mit Vorhang. Das ist immer ein riesiger Pluspunkt. Am Abend saß ich mit einigen Leuten im Hof und genoss meine letzten Stunden in Moskau. 

Einer von ihnen kam gerade aus Nowosibirsk und erzählte, dass er dort von einer alten Frau als Idiot beschimpft wurde, als er den Schlitz für die Fahrkarte am U-Bahn-Einlass nicht fand. Jetzt bin ich schon ein wenig aufgeregt wegen dem U-Bahnfahren in Nowosibirsk und habe mir genau beschreiben lassen, wo der Schlitz ist.

Gestern Morgen stand die große Reise bevor: 27 Stunden im Zug von Moskau nach Jekaterinburg. Es gibt ja Leute, die fahren von Moskau nach Wladiwostok und sind dann fünf oder sechs Tage am Stück unterwegs. Das wäre gar nichts für mich, wie ich schon davor sehr sicher war und jetzt zu einhundert Prozent weiß. 

Ich war wieder in der Dritten Klasse. In meiner Nische waren diesmal vier ältere Damen und eine junge Moskauerin, die zum Glück gut Englisch sprach. So konnten wir uns generell unterhalten, sie hat mir aber auch gezeigt, wie man den Samowar (Heißwassertopf) bedient, wie man sich von der Schaffnerin ein Glas besorgt und vor allem, wie die Toilettenspülung funktioniert. Per Fußpedal. Das hab ich noch nie gesehen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, auf dem Boden nach einer Spülung zu suchen. 

Olga ist leider in Kazan ausgestiegen. Gegen zwei Uhr nachts waren wir da. Im Halbschlaf habe ich aus dem Fenster geschaut und die Stadt sah total toll aus. Kann aber auch ein Traum gewesen sein. 

Der Rest der Fahrt verlief recht unspektakulär. Wir haben alle sechs bis sieben Stunden mal länger im Nirgendwo an einem Bahnsteig gehalten und Pause gemacht. Beim ersten Stop kamen Verkäufer mit Dekozeug und Essen vorbei. Später gab es dann kleine Geschäfte auf dem Bahnsteig. Die Europa-Asien-Säule kurz vor Jekaterinburg habe ich leider verpasst. 

Der Zug kam gegen 18 Uhr in Jekaterinburg an. Und dann folgte eine Irrfahrt meinerseits, da Google Maps mal wieder nicht funktionierte. Die Karte ging, aber meinen Standort hat es nicht angezeigt. Nach mehreren Anläufen fand ich den richtigen Weg. Nur das Hostel war nicht auffindbar. 

An der angegebenen Adresse steht ein riesiger Plattenbau. Nichts weist auf ein Hostel hin. Anhand von Booking.com-Rezensionen habe ich den richtigen Eingang gefunden, weil Reisende dort die fehlende Beschilderung auch kritisieren und eine Wegbeschreibung gleich mitliefern. Vor dem Eingang sprach mich ein kleines Mädchen an, das mich ins Haus ließ und mir die richtige Tür zeigte. Auch dort kein Schild. Verstehe ich nicht. 

Ich glaube, das Hostel war ursprünglich die Privatwohnung der Frau an der Rezeption. Sie vermietet jetzt unter, um sich etwas Geld dazuzuverdienen. Das ist aber nur Spekulation. Die Frau ist sehr nett, spricht aber nur russisch. Die anderen Gäste sind auch alles Russen. Mir fehlt hier so ein wenig das internationale Publikum. Aber die Wohnung an sich ist in Ordnung.

Am Abend war ich – für meine Verhältnisse fast vornehm – italienisch essen. Sehr lecker. Nur am Ende habe ich die Rechnung aus Versehen mit ungarischen Forint begleichen wollen. War ein totales Versehen. Ich hatte noch ein paar Scheine in meinem Geldbeutel. So wie die Kellnerin reagierte, glaube ich, die dachte wirklich, ich will mit Absicht bescheißen. Zu allem Überfluss entschuldigte ich mich in der Aufregung auch noch mit dem Satz: „I have so much money“ (Ich habe so viel Geld), dabei wollte ich sagen, dass ich so viele Währungen habe. Mega peinlich. Da geh ich nicht nochmal hin. Aber wie gesagt, das Essen war sehr lecker.

Dieser Beitrag hat 14 Kommentare

  1. Mama

    Haben auch Babuschkas an der Bahnstrecke für die Reisenden Selbstgemachtes angeboten so wie du es dir gewünscht hast oder ist es tatsächlich nicht mehr erlaubt ? Das Kaufhaus in Moskau war schon immer was Besonderes, aber die Beleuchtung ist ja Wahnsinn. ( Alles was sie über >Weihnachts>Beleuchtung gelernt haben, haben sie von Dad Griswold gelernt.)

    1. Anne

      Ne, leider waren keine Babuschkas da. Also eine ältere Frau hat so belegte Brote verkauft. Und mehrere Leute Eimer mit Beeren. Aber leider keine frischen Pelmeni oder so 🙁

  2. Rebekka

    Von wegen Weihnachten ist nur einmal im Jahr, wenn man nach der ganzen Beleuchtung geht. Sehr, sehr tolle Bilder und ein genialer Bericht aus Moskau. Deine Schilderungen aus dem Zug klingen echt wie aus der Zeit gefallen!! Je mehr du erzählst, desto mehr denke ich darüber nach meinen Baikaltrip noch etwas auszudehnen…

    1. Anne

      Das kann ich nur befürworten. Wenn man schonmal in Russland ist, dann richtig 😀

  3. Sieglind Bloch

    Ich kann mich den Vorkommentaren nur anschließen!!Hab heute auch erst entdeckt,dass es unter der Rubrik Rucksackleben ja auch Interessantes zu lesen gibt .Ein ganz schönes Wochenende,obwohl das Wochenende für dich wohl eher bedeutungslos sein wird,auf alle Fälle viel Spass,viel Glück!Bin schon neugierig auf das nächste Reiseziel.

    1. Anne

      Ja, das stimmt, ich weiß meistens gar nicht, was wir für einen Wochentag haben. Und da irgendwie in jedem Land, außer in Deutschland, die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet haben, ist es echt egal. Aber euch wünsche ich ein schönes Wochenende 🙂

  4. Anonymous

    Anne…….es war wieder zum Schmunzeln. Ich musste einige Episoden meinem Mann laut vorlesen. Er hörte weiter interessant zu. Deine Erlebnisse und Bilder fesseln uns sehr. Pass auf dich auf und weiterhin gute Reise.

    1. Anne

      Vielen lieben Dank. Das freut mich immer zu hören, dass ich nicht nur langweiligen Kram schreibe 🙂 Auch wenn ich leider gerade gar nicht weiß, wer sich hinter Anonymous verbirgt 😀

    2. Peggy Schneider

      Oh Anne……da hab ich vergessen meinen Namen hinzuzufügen. Upppps. Lg Peggy 🙈

      1. Anne

        Kein Problem, ich habe gegen ein kleines Rätsel nichts einzuwenden 😀

  5. Oma & Opa

    Einfach wieder herrrrrlich. Vor allem hast Du ein gutes Auge bei der Auswahl Deiner Fotomotive. Viel Spaß

    1. Anne

      Naja, bei den 1000 Fotos, die ich jeden Tag mache, sind eben auch ab und zu ein paar gute dabei 😀

  6. Marie

    Du bist angekommen!! Sehr gut. Die Bilder aus Moskau von der Familie Griswold waren toll!! Besonders dieser Sternenhimmel. Gut, dass du Hilfe auf deiner langen Zugfahrt hattest, besonders bei der Toilettenspülung 😀 Jetzt haben wir alles was dazu gelernt.
    Hab eine tolle Zeit!!

    1. Anne

      Hab ich mir gedacht, dass dir die Bilder gefallen 🙂 Vielen Dank dir

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