Wildes Wasser, raue See

Wildes Wasser, raue See

Ich habe hier ja schon mehrfach über den kaum vorhandenen Busverkehr auf Bali geschimpft, aber es ist natürlich auch sehr annehmlich, vom privaten Fahrer zu angemessener Uhrzeit vor der Hosteltür abgeholt zu werden. So geschehen in Munduk. Mein Fahrer brachte mich zurück nach Ubud. Einen Zwischenstop legten wir am Pura Ulun Danu Bratan ein, einem Wassertempel bei Bedugul am Bratansee, der dem Hindugott Shiva gewidmet ist. Jetzt habe ich hoffentlich genug mit Wörtern um mich geworfen um schlau zu klingen. 

Ähnlich wie der Wassertempel, den ich bei Canggu besucht hatte, war auch dieser recht winzig aber schön anzuschauen.

Und ähnlich wie in Canggu war auch hier der Tempel Bestandteil einer größeren Anlage, mit weiteren Kulturbauten und Grünflächen und vielen, vielen Touristen, die darauf herumkrochen.

Nach einer halben Stunde setzte ich mich ganz bequem wieder in mein klimatisiertes Taxi und weiter ging es nach Ubud – in mein altes Hostel, das ich so gerne hatte. 

Ich wurde von den Mitarbeitern ganz herzlich begrüßt und durfte auch wieder in mein altes Zimmer ziehen, das ich fürs Erste für mich alleine hatte. Von den alten Gästen war bis auf Jannis aus Ulm, der sich für einen ganzen Monat im Hostel einquartiert hat, niemand mehr da. Aber nicht so schlimm, ich drehte erst eine Runde im Pool und dann eine Runde durch die Nachbarschaft und merkte mal wieder, wie toll es ist, wenn man irgendwo hinkommt, wo man sich schon ein bisschen auskennt. 

Am nächsten Tag betrat ich aber Neuland. Ich besichtigte die Tegalalang Reisterrassen eine halbe Stunde nördlich von Ubud. Einer der Hostelmitarbeiter bot an, mich hinzubringen. Aufgrund der Entfernung ging ich davon aus, dass wir mit dem Auto fahren. Er bat mich aber auf den Roller.  

Auf Bali herrscht oft Stau. Für die Autos. Für die Rollerfahrer gilt das natürlich nicht. Die Vorsichtigeren quetschen sich am linken Straßenrand an den stehenden Autos vorbei. Mein Fahrer bevorzugte es, nach rechts in den Gegenverkehr einzuscheren um Strecke zu machen. Vergleichbar ging er beim Rechtsabbiegen vor (In Indonesien ist Linksverkehr. Rechtsabbiegen ist also unser Linksabbiegen). Er fädelte sich zuerst in den Gegenverkehr ein um ein paar Hundert Meter weiter, bei sich bietender Gelegenheit, auf die richtige Spur zu wechseln. Und an Kreuzungen war das Motto „Hupen, nicht Halten“. Mit anderen Worten: Alltag auf balinesischen Straßen.

An den Reisterrassen ging der Wahnsinn weiter. Auf der einen Seite Souvenirladen an Souvenirladen, auf der anderen Seite Restaurant an Restaurant. Ich machte einen Spaziergang durch die Reisterrassen und kam an drei Ständen vorbei, an denen ich jedes Mal um eine „freiwillige“ Spende gebeten wurde. Überall stehen Riesenherzen und geschmückte Bänke, und hängen Weidenkörbe und schwingen Riesenschaukeln, auf denen man für das kitschigste Urlaubsfoto posieren kann. Aber nur, wenn man ein paar Scheine locker macht. (Ein typisches Fotoherz seht ihr unten auf dem ersten Bild.)

An sich sahen die Reisterrassen sehr pittoresk aus, aber ich war gekommen um einen gemütlichen Spaziergang durch die Natur zu machen und endete in einem Vergnügungspark.

Später auf der Rückfahrt fuhr mein Fahrer mit mir durch Reisfelder, die ganz abgelegen und untouristisch waren. Das war viel schöner. Wir hielten leider nicht an, sodass ich keine Beweisfotos habe.

Mein nächstes Abenteuer in Ubud war ein absolutes Highlight. Ich probierte zum ersten Mal in meinem Leben Wildwasser-Rafting aus und hatte einen Höllenspaß. Vielen Dank, Andrea, für den tollen Tipp. 

Wiederum brachte mich ein Hostelmitarbeiter zum Raftinganbieter. Diesmal aber im Auto. Da ich alleine war, musste ich nach der Ankunft noch ein bisschen warten, bis sich andere Leute fanden, mit denen ich die Fahrt antreten konnte. Denn in einem Boot sollten immer mindestens vier Leute sein. Ich wurde bereits nach kurzer Zeit einer chinesischen Familie zugeteilt, die mir sehr nett erschien. Unser Tourguide rüstete uns mit Helm, Schwimmweste und Paddel aus, fuhr mit uns eine Viertelstunde durch die Gegend und ließ uns durch ein Reisfeld marschieren. Vom Fluss keine Spur.

Der lag nämlich ungefähr 1000 Treppenstufen unter uns. Treppenstufen, die für Menschen mit drei Meter langen Beinen geschaffen wurden. Ich hatte keine Ahnung, dass man vom Treppenrunterlaufen so k.o. sein kann. Wasser hatte ich natürlich keins mitgenommen, aber die balinesische Tourismusindustrie ließ mich nicht im Stich. Endlich unten am Fluss angekommen, konnte ich für 30.000 Rupien ein lebenserhaltendes Wasser kaufen (umgerechnet zwei Euro; normaler Preis im Supermarkt circa 4.000 Rupien).

Davon abgesehen war die Tour aber wirklich perfekt. Wir wurden ins Schlauchboot verfrachtet und ich durfte ganz vorne sitzen. Danach ging es zehn Kilometer den Fluss hinab, Stromschnellen wechselten sich mit ruhigen Passagen ab. Der Wald zu beiden Seiten war dicht und saftig und grün, grün, grün. Wir kamen an unzähligen kleinen Wasserfällen vorbei. 

Die erste Hälfte der Strecke hatten wir den Fluss für uns allein. Nach einer kleinen Verschnaufpause am Ufer gerieten wir allerdings in eine ganze Flotte von Schlauchbooten, was auch irgendwie seinen Reiz hatte. Neues Ziel war es, mit so vielen Booten wie möglich zusammenzustoßen, nach dem Autoscooterprinzip.

Die letzten zehn Minuten legten wir im strömenden Regen zurück. Da ich aber eh schon komplett nass war, machte mir das wenig aus. Ganz im Gegenteil kamen mir der Regen und die abkühlende Luft entgegen. Dadurch fiel mir der Treppenaufstieg auf dem Rückweg deutlich leichter, als der Abstieg auf dem Hinweg.

Als ich am Nachmittag glücklich wieder im Hostel ankam, begrüßte mich Lauren aus Ohio, die ich bei meinem ersten Aufenthalt in Ubud kennengelernt hatte. Auch ihr hatte das Hostel so gut gefallen, dass sie beschlossen hatte, noch einmal zurückzukommen. Wir tauschten uns in alter Backpackersitte über unsere Erlebnisse der letzten Tage aus und fuhren dann gemeinsam in die Stadt, für Lauren gings zur Massage, für mich zum Abendessen.

Ich beneidete Lauren ein wenig, dass sie noch eine ganze Woche in Ubud bleiben würde. Denn ich musste mich am nächsten Tag verabschieden. Am Hostel holte mich diesmal tatsächlich ein Kleinbus ab, mit anderen Fahrgästen und schwachbrüstiger Klimaanlage und Billigpreis und allem drum und dran. Der Bus brachte uns in den Süden nach Sanur zum Fährableger. Dort bekam ich, wie so oft, einen Sticker mit meiner Destination angebäppt und dann passierte lange nichts. 

So ist das meistens in Südostasien. Da wird nicht groß verkündet, wie es wann und wo weitergeht. Aber man kann davon ausgehen, DASS es irgendwann weitergeht. Ich konnte mich auch gar nicht beklagen. Ich hatte eine Bank im Schatten und der Wind wehte vom Meer. Nach rund einer Stunde war die Fähre bereit. Ziel war Nusa Lembongan, eine winzige Insel vor Bali. Die Überfahrt dauerte eine knappe Stunde, glaube ich. Der Weitertransport zum Hotel war inklusive. 

Ich habe hier eine absolute Traumunterkunft, die ich mir Dank der Unterstützung zweier großzügiger Spender leisten konnte. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle. Es ist eine kleine, ruhige, topgepflegte Anlage mit sieben oder acht Holzbungalows, die um einen Pool gruppiert sind. Ich habe einen Bungalow mit riesigem Bett und kleiner Terrasse ganz für mich alleine. Das Bad ist nur halbüberdacht, sodass ich unter freiem Himmel duschen kann (auf dem dritten Foto etwas zu erkennen).

 

Die Anlage liegt in der Nähe des Mushroom Beach (Pilzstrand). Ich habe keine Ahnung, woher der seinen Namen hat. Pilze habe ich dort jedenfalls bei meinem Spaziergang am ersten Abend nicht gefunden.

Am nächsten Morgen machte ich etwas, das ich eigentlich nie machen wollte – ich mietete mir einen Roller. All die Monate in Südostasien, die ständigen Überlegungen, wie ich von A nach B komme, hatten mich weichgeklopft. Als ich dann sah, dass sich der Verkehr auf Nusa Lembongan in Grenzen hält, dachte ich mir: jetzt oder nie.

Den Roller mietete ich mir im Hotel. Völlig unbürokratisch ohne jeglichen Papierkram. Die Mitarbeiter wollten nicht mal meinen Führerschein sehen. In der Theorie hatte ich mir davor das Rollerfahren mit Hilfe von Youtube-Tutorials beigebracht, war aber trotzdem froh, dass mir ein Hotelmitarbeiter eine kleine Einweisung gab. 

Die erste Stunde war furchteinflößend. Mit dem Linksverkehr hatte ich zwar null Probleme, aber ich hatte keinerlei Gefühl fürs Gasgeben und traute mich obendrein nicht abzubiegen, was dazu führte, dass ich gezwungen war, nach Norden zu fahren, obwohl ich in den Süden wollte. Zum Glück, muss ich im Nachhinein sagen. Denn der Norden ist der ruhigste Teil der Insel und so hatte ich die Straße dort weitestgehend für mich alleine, konnte mich ans Gefährt gewöhnen und üben, Kurven zu fahren. 

Es war schon herrlich, wieder richtig unabhängig zu sein. Meinen ersten Stop legte ich am nördlichsten Strand der Insel ein, dem Pantai Pasir Putih.

Weiter ging es zum längsten Strand (glaube ich), dem Jungbutbatu Beach. In einem der vielen Strandlokale aß ich grüne Pfannkuchen mit gerösteter Kokosnuss – laut Speisekarte typisch indonesisch.

Frisch verpflegt trat ich den zweiten Versuch an, den Süden der Insel zu erreichen. Inzwischen klappte das Fahren schon viel besser und ich heizte  mit 20 Sachen über die Insel. Am meisten Spaß machte es, die steilen Berge hochzufahren, weil der Roller richtig Wums hatte. (Ich weiß nicht, was für eine Art Roller das war, aber der Tacho ging bis 140, also vielleicht ein 125er?). 

Die Aussicht von einem der Hügel

Im Süden verbindet eine Brücke Nusa Lembongan mit der noch kleineren Insel Nusa Ceningan. Diese bescherte mir noch einmal etwas Schweiß auf der Stirn, da sie so schmal ist, dass zwei Roller gerade so aneinander vorbeipassen. Ich bin keine Brückenbauerin, aber wie viel teurer kann es sein, eine Brücke zehn Zentimeter breiter zu bauen? Auf dem Foto seht ihr die gelbe Hängebrücke im Hintergrund.

 

Auf Nusa Ceningan gibt es viele versteckte kleine Strände und vor allem steile Klippen.

Ich landete in einem Café, das auf einem der Felsen im Meer steht. Während ich einen Obstteller aß, konnte ich die Surfer im Wasser beobachten und zehn Meter unter mir brachen sich die Wellen unaufhörlich an der Klippe. Manchmal sprühte eine Wasserfontäne bis hoch ins Café und machte die Gäste nass. (Auf dem letzten Foto seht ihr das Café von weitem.)

Und damit war mein Tagewerk fast vollbracht. Ich trat die Heimfahrt an und kam ohne Kratzer und Stürze wieder im Hotel an. Autos sind mir dennoch lieber. 

Treuer Begleiter für einen Tag

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Ich bin zum ersten Mal so richtig neidisch geworden. Du kannst dir sicher denken, dass ich das Rafting meine. Was für eine Kulisse! Ein Traum! Und ganz sicher ein Riesenspass.

    1. Du kannst ja alternativ 30 Mal hintereinander mit der Wildwasserbahn im Phantasialand fahren, Mama. Dafür musst du dann auch nicht ins Flugzeug steigen. Alternativ bist du herzlich eingeladen, mich in Australien oder Neuseeland zu besuchen. Hier gibt es auch Rafting 😀

  2. Aaaah Anne … ich freue mich ja wie’n Dollebolle, dass Du das Rafting gemacht hast und es Dir so gut gefallen hat! 🙂 🙂 🙂 … und wenn ich gewusst hätte, dass Du Nusa Lembongan besuchen würdest, dann hätte ich noch einen Tipp von einen versteckten Traum-Cafe/-Restaurant gegeben. Da hättest Du dann (mit ein bisschen Mut) auch mit Deinem Vehikel hindüsen können. Aber Du hast ja auch viele wunderschöne Orte entdeckt und bist viel rumgekommen. Hut ab, dass Du Dir nen Roller gemietet hast! Aber auf Nusa ist es ja bedeutend chilliger als auf der großen Insel…oder hat sich das geändert? Auf Bali hätte ich das nieundnimmer gemacht!!!! – Und was für eine wunderschöne Unterkunft Du hattest… – Ach ja: Falls du doch nochmal auf Nusa Lembongan verweilst, hier mein Tipp (falls du noch nicht da warst) für einen Tagesausflug (gerne schon am Vormittag und bis zum spektakulären Sonnenuntergang verweilen, Restaurant incl. Pool ): Das Restaurant am Dream Beach. Ich hoffe, es ist noch so schön….damals waren die Unterkünfte noch im Bau.

    1. Ich war sogar am Dream Beach. Bin zu Fuß gelaufen, so groß ist die Insel ja nicht. Habe da auch ein Restaurant mit Pool gesehen und kurz überlegt einen Stop zu machen, aber ich war nicht hungrig 🙂 Und ne, auf Bali wäre ich auch nie und nimmer Roller gefahren. Nusa Lembongan war da wirklich für mich die Ausnahme, weil da eben recht wenig Verkehr ist.

  3. Nun glauben wir, Du bist mittlerweile die perfekte Globetrotterin geworden.
    Wildwasserfahrten, Rollerfahrerin und die Beherrschung der komplizierten Fortbewegungsmittel zu Lande ,zu Wasser und der Luft. Und alles unter Bedingungen ,wo schon die Deutung der Sprache und Schriftzeichen uns ein Riesenproblem bereiten würde. 👍👍
    Das Ergebnis, wieder ein toller Bericht und wunderbaren Aufnahmen.
    Danke für die schöne Abwechselung in unserem tristen Alltag. Ps. Dein letztes Bild währe auch ein schönes Titelfoto.

    1. Danke 🙂 Aber ich denke immmer, Landschaften sind schöner als Titelbild, als Fotos mit mir drauf 😀

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