Wo Busse nicht fahren, wohin Füße nicht tragen

Wo Busse nicht fahren, wohin Füße nicht tragen

Während die Sauberkeit im Hostel in Cottesloe zwar zu wünschen übrig ließ, waren die Bewohner sehr nett. Im Hostel war auch immer einiges los, denn viel zu tun gibt es in Cottesloe nun wirklich nicht. Außer an den Strand gehen. An meinem letzten Abend dort dachte ich zum Glück endlich mal daran, den tollen Sonnenuntergang am Meer mitzuerleben. 

Am nächsten Tag begann mein großes Abenteuer. Mein Mietwagen wartete in Fremantle auf mich. Mit der Bahn waren es nur ein paar Haltestellen von Cottesloe zum Bahnhof Fremantle. Dann noch mit dem Bus ein paar Stationen weiter. 

Der Fahrer, der den Bus steuerte, muss ganz neu gewesen sein. Er wusste erst nicht so recht, was mein Ticket kosten soll. Links vom Busfahrer saß eine alte Dame, die ihm immer zuflüsterte, wo er abbiegen muss und an welchen Stationen er anhalten soll. Sie sah nicht so aus, als würde sie für das Busunternehmen arbeiten. 

Beim Autoabholen funktionierte – dank neuer Kreditkarte – alles reibungslos. Ich war ja schon ein wenig aufgeregt, als ich mich hinters Lenkrad setzte. Seit acht Monaten kein Auto gefahren – kann man das verlernen? Aber alles easy. Linksverkehr nach wie vor total problemlos. Mit der Automatik kam ich auch sofort zurecht. Und als ich dann aus der Stadt raus war und auf den Highway rollte, war ich im Siebten Himmel. Was hab ich Autofahren vermisst. Nur das ewige Scheibenwischerballett trieb mich am ersten Tag zur Weißglut (Blinker rechts, Scheibenwischer links). 

Achso, das Auto war übrigens ein Kia Cerato und hatte richtig Wumms. Ich habe es Roach genannt. Aus serientechnischen Gründen war das naheliegend.

 

Als mein erstes Etappenziel hatte ich mir Collie ausgeguckt – ein kleiner Ort (die Orte sind alle klein) etwa 200 Kilometer südöstlich von Fremantle landeinwärts gelegen. Einerseits wollte ich gerne etwas mehr vom Landesinneren sehen. Andererseits war in Collie das einzig erschwingliche Hotel im Umkreis von 100 Kilometern zu finden.

Auf dem Weg fuhr ich durch den Nationalpark Lane Pool Reserve. Dort wollte ich eine erste lockere Wanderung unternehmen, zum Warmwerden. Daraus wurde nichts. Denn am Eingang des Parks wies mich ein Schild darauf hin, dass 15 Dollar Eintritt zu berappen seien. Dafür war ich zu geizig. Andere Nationalparks haben auch schöne Wanderwege, dachte ich mir und machte die Biege. 

Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Erstens gibt es im Südwesten Australiens eine Unmenge an Nationalparks und zweitens kosten viele von ihnen 15 Dollar Eintritt. Noch mehr als einmal würde ich in den nächsten Tagen das Portemonnaie zücken müssen.

Weil die Wanderung ausfiel, erreichte ich schon am Nachmittag mein Hotel in Collie, das ein wenig in die Jahre gekommen war, mich ein wenig an eine Wildwestkulisse erinnerte und sich damit gut in das Gesamtgefüge des Ortes einpasste. 

 

Nach dem Einchecken und dem Zurateziehen meiner Landkarte entschloss ich mich, noch einen kleinen Ausritt zu einer Hängebrücke über den Fluss Collie zu machen. Das Navi machte ich für den kurzen Weg nicht an, ich hatte mir die Strecke schließlich im Kopf eingeprägt. Ich verfuhr mich ziemlich. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass auch mein Navi nicht in der Lage war, die Hängebrücke über den Fluss zu finden und deshalb erklärte ich die Mission für gescheitert und fuhr stattdessen zu McDonalds, der inmitten dieser doch recht menschenleeren Gegend tatsächlich direkt gegenüber von meinem Hotel residierte.

Ok, der erste Tag hatte mir große Autofahrerfreuden beschert, aber wenige bis keine Abenteuer in der Natur. Zurück im Hotel wollte ich den kommenden Tag ein bisschen besser planen als den Ersten. 

Meinen ersten Tagesordnungspunkt konnte ich problemlos in die Tat umsetzen. Ich steuerte den Minninup Pool an, eine natürliche Badestelle und beliebter Picknickplatz am Collie River.

 

Ich hielt mich aber nicht lange auf, denn als nächstes stand eine große Wanderung durch den Wellington Nationalpark auf dem Programm. Daraus wurde nichts.

Im Herzen des Wellington Nationalparks liegt der Wellington Stausee/Damm, aus dem der Collie River entspringt. 

 

Dem Fluss wollte ich durch den Wald bis zu einer Badestelle folgen. Der Start des Wanderwegs war mit einem Absperrband blockiert. Wanderweg geschlossen – aufgrund einer bevorstehenden Brandrodung, glaubte ich dem Hinweisschild zu entnehmen. Wobei mein englischer Wortschatz rund um den Themenbereich Forstwirtschaft doch etwas lückenhaft ist. 

So ganz aufgeben wollte ich aber noch nicht und fand schließlich wenigstens einen halbwegs passablen Weg zum Stauseeufer. Einer dieser Orte, an denen es so ruhig ist, dass man die Flügelschläge der Vögel hören kann.

Im Anschluss erreichte ich mit dem Auto die Badestelle, die ich eigentlich erwandern wollte. Am sogenannten Honeymoon Pool fand ich tatsächlich einen kleinen Weg, dem ich eine Weile den Fluss entlang folgte. 

Ebenfalls im Wellington Nationalpark steht ein riesiger, 300 bis 500 Jahre alter Jarrahbaum, auch King Jarrah Tree genannt. Für mein Auto war die Strecke dorthin leidvoll. 20 Kilometer Staubstraße hinterließen ihre Spuren.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der Anblick des Baumes mein eingedrecktes Auto im Nachhinein rechtfertigte. Er war zwar mit seinen 36 Metern schön stattlich, aber es gibt so viele, große, herrliche alte Bäume in Südwestaustralien, für die man nicht 20 Kilometer Staubstraße fahren muss. Diese verkrümmten Äste der Jarrahbäume haben mir aber sehr gut gefallen. Auf dem Foto ist der König in der Mitte auf dem ersten Foto zu erkennen. Die Perspektive täuscht, er ist tatsächlich höher als die umliegenden Bäume.

Die letzte Sehenswürdigkeit des Tages war vollkommen anderer Art. Ich besuchte ein paar Tausend Gartenzwerge in Gnomesville. Wie das manchmal so ist. Da wird in einem Ort ein Kreisverkehr gebaut. Eine Einwohnerin will den Kreisverkehr verschönern und setzt einen Gartenzwerg in die Mitte. Ein Nachbar hält das für eine nette Idee und spendiert ebenfalls einen Zwerg. Ein Dritter bastelt ein Ortsschild und schreibt „Gnomesville“ drauf und bevor man sich versieht, kommen Leute aus Okinawa und Oberbayern und bringen ihre Zipfelmützen mit.

Um mein Hostel in Dunsborough zu erreichen, musste ich mich wieder in Richtung Meer orientieren. Die Lage war unfassbar. Hier, so sah der „Hinterhof“ des Hostels aus.

Um mir mein Abendessen zu besorgen, musste ich nochmal kurz beim örtlichen Supermarkt vorstellig werden. Dort wurde ich mit den Auswirkungen des Corona-Virus konfrontiert. In australischen Supermärkten ist aktuell kein Klopapier zu bekommen. Alles leergehamstert. War in jedem Supermarkt so, den ich gesehen habe. Aber ich habe mitbekommen, dass in Deutschland wohl mancherorts ähnliche Zustände herrschen.

In den Hostels war zum Glück bislang immer reichlich Klopapier vorhanden. Also alles gut. 

Den nächsten Tag verbrachte ich in Küstennähe, denn von Dunsborough ging es für mich nach Augusta, dem südwestlichsten Ort Australiens. 

Zuerst einmal klapperte ich diverse Strände rund um Dunsborough ab. Bunker Bay und Eagle Bay und wie sie nicht alle heißen. Wunderschön und wunderleer.

Neben Bunker Bay ist der Cape Naturaliste Leuchtturm zu finden. Er markiert den Start- oder Endpunkt eines der populärsten Wanderwege Westaustraliens – dem 120 Kilometer langen Cape to Cape Walk von Dunsborough nach Augusta. 

Für eine 120-Kilometer-Wanderung hatte ich natürlich keine Zeit. Für eine Acht-Kilometer-Wanderung hingegen schon und so sah ich den ersten Abschnitt des Wanderwegs. Absolut lohnenswert. Fantastischste Küstenansichten.

Tolle Felsformationen im Meer bieten die Canal Rocks weiter südlich. Touristen wohlgesonnene Menschen haben kleine Verbindungsbrücken zwischen den Steinen gebaut, sodass man sie in ihrer ganzen Pracht bewundern kann. 

Inzwischen war es bereits früher Nachmittag und ich war meinem Ziel Augusta vielleicht 15 Kilometer näher kommen. Also galt es erstmal Strecke machen. Bis Margaret River, einem bekannten Weinort. Auf dem Weg dorthin sah ich die imposanten Weingüter, die hier wie Schlösser aussehen. Mit schmiedeeisernen Toren und kilometerlangen Alleeeinfahrten. 

An einer Weinprobe war ich jedoch nicht interessiert. Ich wollte noch eine kleine Flusswanderung entlang des Margaret River unternehmen. Weil es schon so spät war, kaufte ich mir im Ort schnell einen Hotdog und aß mein Abendessen während der Wanderung.

Im Dunkeln kam ich schließlich in meinem Hostel in Augusta an. Ich hatte auf der Fahrt ein wenig Angst, ein Känguru zu überfahren, weil die ja in der Dämmerung aktiv werden. Ich habe aber nicht nur keins überfahren, sondern als wahrscheinliche erste Australientouristin in der Geschichte während meiner gesamten Zeit hier nicht mal eins gesehen.

Das Hostel war das sauberste, in dem ich bislang in Australien untergekommen war. Mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass außer mir nur noch vier andere Gäste da waren. Augusta liegt einfach ein wenig ab vom Schuss und eine pulsierende Großstadt ist es auch nicht, ist jedoch mit rund 1.100 immer noch einer der größeren Orte in Westaustralien.

Ich war jedenfalls mit meiner „Stadtbesichtigung“ am nächsten Morgen schnell durch. Der kleine Fährhafen war wenig spektakulär, dafür fand ich an dem dort entlanglaufenden Spazierweg eine interessante Baumformation (Foto 1). Außerdem kam ich an Granny’s Pool vorbei, einer durch Steine geschützten Badestelle im Meer (Foto 2).

 

Den kilometerweiten Umweg zu einem Aussichtspunkt nahe Augusta, inklusive ungewolltem Abstecher zu einem Golfplatz, hätte ich mir sparen können. Viel Gebüsch, wenig Aussicht. Danach folgte allerdings ein weiteres absolutes Highlight meiner Tour. Ich hatte euch ja bereits vom Cape to Cape Walk erzählt, auf dem ich in Dunsborough gewandert war. Der Weg führt bis nach Augusta, sodass ich ihn nun von der anderen Seite begehen konnte. 

Dieser Teil gefiel mir fast noch besser. Der Dunsboroughweg war gut ausgebaut, führte durch Gras- und Buschland und bot einen tollen, erhöhten Ausblick aufs Meer. Der Augustateil war ein Trampelpfad, führte auch oft über Steinplateaus und fühlte sich deshalb abenteuerlicher an.

Am Mittag sah ich die ersten leibhaftigen Rochen meines Lebens. Sie sind Dauergäste in der Hamelin Bay nördlich von Augusta, die auch ganz generell sehr schön ist. Die Rochen kommen bis ins ganz seichte Wasser an den Strand geschwommen und erfreuen die Besucher. Einmal mehr habe ich mich nur darüber aufgeregt, dass dort zwei Dutzend Menschen im Wasser standen und trotz Verbotsschildern an den Fischen rumtätschelten.

Und damit kehrte ich dem Meer erneut den Rücken und verkroch mich in die Wälder im Landesinneren. Auf den 120 Kilometern bis zu meinem nächsten Ziel Bridgetown traf ich auf etwa vier andere Autos und in etwa genauso viele Ortschaften. Eine davon war Nannup, wo ich einen kurzen Zwischenstop einlegte: Eine Hauptstraße, ein Tante-Emma-Laden als sozialer Dorfmittelpunkt und eine winzige Holzkirche. Alles sehr niedlich.

Durch Bridgetown fließt der Blackwood River, der mit einem eigenen Wanderweg gesegnet ist. Wieder ein Volltreffer. Auf beiden Seiten Wald, mit richtigen Charakterbäumen – knorrig und knarzig. (Der Wanderweg hat von mir sogar den Ritterschlag erhalten, denn das heutige Beitragstitelbild ist auch vom Blackwood River.)

Meine abendliche Unterkunft in dem Ort mit dem tollen Namen Manjimup war etwas speziell. Ich dachte zuerst, ich hätte mich verfahren, denn ich landete beim örtlichen Schnapsladen mit angeschlossener Taverne. Das hatte aber alles seine Richtigkeit. Das „Hotel“ fand sich im Hinterhof besagter Taverne. Es stellte sich als Containerreihe heraus. Für 50 Euro kann man eben in Australien nicht mehr erwarten.

So schlimm war das Cointainerhotel auch gar nicht. Nur meine Nachbarn trieben mich in den Wahnsinn. Ich weiß nicht, was sie genau machten, aber es hörte sich so an, als nähmen sie ihr Zimmer mit einem Vorschlaghammer auseinander. Stundenlang.

In der Nähe von Manjimup steht der Gloucester Tree, einer der höchsten Feuerwarnbäume der Welt. Bevor Flugzeuge zur Sichtung von Waldbränden eingesetzt wurden, kletterten die Förster auf hohe Bäume um nach Feuern Ausschau zu halten. Beim Gloucester Tree handelt es sich um einen Karribaum von ungefähr 60 Metern Höhe. 

Wer will, kann den Baum auch heute noch besteigen, in seinen Stamm sind dünne Sprossen gehauen. Natürlich stand das auf meinem Tagesprogamm. Warum auch nicht. Ich hab ja keine Höhenangst. Ich machte den Fehler, nach zehn Metern anzuhalten. Danach konnte ich mich nicht mehr überwinden weiterzumachen. So ganz ohne Sicherung, auf dürren, steilen Sprossen 50 Meter zur Aussichtsplattform in die Höhe  zu klettern, war nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich kniff vorerst und trat den Rückzug an.

 

Stattdessen begab ich mich auf eine zehn Kilometer lange Wanderung durch den Gloucester Nationalpark. (Schließlich hatte ich 15 Dollar Eintritt gezahlt, das sollte sich dann schon lohnen.) Das war eine richtig rustikale Wanderung. Nur der Wald mit seinen riesigen Karribäumen und ich. In drei Stunden begegnete ich niemandem. 

Auf der Wanderung hatte ich genug Zeit mir darüber Gedanken zu machen, warum ich meinen Hintern nicht diesen blöden Baum hochbekommen hatte. Ich kam zu dem Schluss, dass es vor allem an meinem Handy lag. Ich hatte die ganze Zeit Schiss, dass es aus meiner nicht besonders tiefen Hosentasche fällt. Nach der Wanderung wollte ich mir also meine Gürteltasche anziehen und einen weiteren Anlauf unternehmen. 

Blöderweise war bei meiner Rückkehr so viel Betrieb am Baum, dass ich auf eine Wiederholung meiner Bemühungen lieber verzichtete. Ich wollte weder Zuschauer, noch in 20 Metern Höhe im Stau stehen.

Stattdessen nahm ich mein Mittagsmahl in Form von Cornflakes zu mir. Genauestens beobachtet von diesem kleinen Kerl hier.

Mein Aufenthalt im Gloucester Nationalpark hatte ziemlich viel Zeit gefressen. Den letzten Tagesordnungspunkt musste ich streichen, zumal noch eine ordentliche Strecke zwischen mir und meinem Hostel in Denmark lag. Die Straße führte mich unaufhörlich durch Wälder. 

Nur einmal, da war ich echt überrascht. Ich hielt an einem Rastplatz, von dem eine Brücke ins Gebüsch wegführte. Der folgte ich und fand mich auf einmal in einer steppenförmigen Landschaft wieder. Und ich hatte gedacht, der Wald erstrecke sich kilometerweit. 

Als ich gegen 18 Uhr endlich in Denmark ankam, hatte nur noch der örtliche Schnapsladen geöffnet. Zum Glück fand ich ein paar Instantnudeln in meinem Auto, die als Abendessen herhalten mussten.

Tag 6 meines Roadtrips führte mich zum Granite Skywalk im Porongurup Nationalpark, den ich am Vortag nicht mehr unterbekommen hatte. Dazu musste ich leider einen Teil der Strecke, die ich gekommen war, wieder zurückfahren. Das war es mir aber wert. 

Vom Parkplatz des Nationalparks führte ein zwar nur zwei Kilometer langer, dafür aber sehr steiler Pfad zum Skywalk. Am Ende des Weges fand ich mich zunächst auf einem kleinen Plateau wieder, auf dem ich viele tolle Steine bewundern konnte. 

 

Am Rande des Plateaus wies ein Warnschild darauf hin, dass der eigentliche Skywalk nur von fitten und trittsicheren Menschen beschritten werden solle, da man auf dem Weg dorthin klettern müsse. So, nun bin ich zwar weder fit noch trittsicher, aber die Schmach vom Vortag sollte sich nicht wiederholen. Wild entschlossen kletterte ich auf, über und unter Steine, erklomm eine Leiter und gab meiner Meinung nach gar keine so schlechte Figur ab. Ich habe zwar kein Gleichgewichtsgefühl, aber Gelenkigkeit und Muskelkraft konnten das ausgleichen. Die Aussicht vom Skywalk war die Mühen wert.

Zurück auf dem Parkplatz sah ich mein absolutes Traumfahrzeug. Ein zu einem Campervan umgerüsteter Land Cruiser. Das ist mein Lebensziel. Und damit dann um die Welt. Also falls jemand von euch mir eine kleine Freude bereiten will, oder nicht weiß, was er mir zum Namenstag schenken soll…

Der Rest des Tages verlief nicht so ideal. Die Straße zu der pittoresken Badestelle am Meer, die ich anschauen wollte, war gesperrt. Und der Baumwipfelpfad, den ich mir ausgeguckt hatte, war bereits geschlossen. Deshalb machte ich mich gleich auf den Weg in mein Hostel und war früh genug dort, sodass ich einen kleinen Nachmittagsschlaf machen konnte. Dumme Idee. Denn als ich am Abend auf der Suche nach Essen noch einmal auslief, blieb ich wieder einmal erfolglos. Nichtmal Restaurants hatten geöffnet. Instantnudeln hatte ich auch keine mehr, also gab es Cornflakes zum Abendbrot. 

Genauso ausgestorben wie der Ort war auch mein Hostel. Ich war der einzige Gast und kam so wieder einmal unverhofft in den Genuss eines Einzelzimmers.

Den Baumwipfelpfad beging ich am nächsten Tag. Coole Sache, quasi in den Baumkronen spazieren gehen zu können. 

Neben dem Baumwipfelpfad steht ein alter Tingle-Tree-Wald. Tinglebäume kommen nur in Westaustralien vor, können bis zu 75 Meter hoch und 20 Meter im Umfang werden. Ihre Baumstämme sind oft ausgehöhlt. Dafür verantwortlich sind Angriffe von Insekten und Pilzen, die das Holz abtöten. 

Wenn es dann einen Waldbrand gibt, verbrennt das tote Holz im Inneren, die lebende Hülle kann aber manchmal überleben. Am Eindrücklichsten zu sehen ist dieser Effekt auf dem ersten Bild: Der ursprünglich riesige Baum wurde durch ein Feuer zerstört, aber aus einem kleinen Stück überlebender Rinde konnte sich ein kleiner neuer Stamm entwickeln.

Ich hatte im Anschluss noch Zeit für eine allerletzte, kleine Wanderung und guckte mir dafür den Karri-See-Rundweg bei Quinninup aus, der auf meinem Weg nach Bunbury lag. 

Mit meiner Ankunft in Bunbury befuhr ich vertrautes Terrain. Ich hatte ja schon einmal vier Nächte dort verbracht. (Das war dort, wo ich die Delfintour gemacht hatte, falls ihr euch nicht mehr erinnert.) Nur ein Geheimnis gab es noch zu lüften. Das Hostel liegt genau vor einer Kuppe. Was hinter der Kuppe liegt, hatte ich nie inspiziert, obwohl ich aufgrund meines Kartenstudiums wusste, dass dort das Meer zu finden sein müsse. Gleich nach meiner Ankunft ging ich sicherheitshalber mal nachgucken. 

Selbst im Hostel in Bunbury war es seit meiner ersten Abreise ruhiger geworden. Ich kam im selben Bett unter, wie beim ersten Mal, hatte aber auch hier das Zimmer diesmal ganz für mich alleine. Ich will mich nicht beschweren.

Am nächsten Morgen gab es leider nichts anderes mehr für mich zu tun, als mein Auto wieder auf Vordermann zu bekommen. (Der Innenraum sah inzwischen so aus, als sei er mein Erstwohnsitz). Und danach ging es die 200 Kilometer zurück nach Fremantle, wo es für Roach und mich Zeit war, auf Wiedersehen zu sagen. Das war ein trauriger Augenblick, als ich die Schlüssel abgeben musste und mit meinem Gepäck zur nächsten Bushaltestelle schlurfte. Nix mehr mit „Ich kann fahren, wann und wohin ich will“. Fahrpläne regierten nun wieder über mein Leben.

Aber auch mit Bus und Bahn erreichte ich in nicht allzulanger Zeit Perth und mein altes Hostel in Northbridge, wo ich meine letzte Nacht in Australien verbrachte. Und hier verlasse ich euch für heute. Inzwischen bin ich in Neuseeland angekommen. Da der Beitrag aber schon so unfassbar lang ist, erzähle ich euch von dieser Reise beim nächsten Mal.

 

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Die Gartenzwerge sind cool. Aus was für Ideen die Leute so kommen. Wo ist der Kreisverkehr abgeblieben?

    1. Achso, ja das habe ich ganz vergessen zu erwähnen, sehr aufmerksam, Mama 😀 Auf dem Kreisverkehr wurden die Gartenzwerge irgendwann Opfer von Vandalismus, deshalb bekamen sie ein Refugium neben dem Kreisverkehr am Straßenrand.

  2. Passion the site– really individual friendly and lots to see!

    1. Thanks very much, Brian 🙂

  3. Anne, ein sehr,sehr schöner und wieder aufschlussreicher Reisebericht. Vor allem hast Du wieder die schönsten Ecken des Landes aufgespürt und in Deinen Bildern für uns festgehalten. Bei Deinen Standort angaben in meist prärieartiger Landschaft sind solche romantischen Motive kaum vorstellbar. Herrlich und wir bewundern Deinen Mut bei Deinen abenteuerlichen Erkundungen.
    Ich glaube dafür ein Auto gemietet zu haben war eine kluge Idee. Damit konntest Du Deinen Aktionsradius doch gewaltig erweitern. Vielleicht lässt es Deine Reisekasse zu, auch jetzt in Neuseeland wieder ein günstiges Gefährt zu mieten. Bleibe schön gesund und pass auf Dich auf toi,toi,toi

    1. Das Auto hat sich wirklich absolut gelohnt. Ohne wäre ich nie zu diesen ganzen Orten gekommen, oder hätte Wochen gebraucht. Auf der Südinsel in Neuseeland habe ich ja dann meinen Campervan. Das wird auch super 🙂

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