Zu Lande, zu Luft und zu Wasser

Zu Lande, zu Luft und zu Wasser

Warnung: Im ersten Teil meines heutigen Berichts werdet ihr meine Nase sehr oft zu Gesicht bekommen. Für meinen zweiten Tag in Camiguin heuerte ich nämlich einen persönlichen Fotografen an. Nein, natürlich nicht wirklich. Ok, das Ganze begann so: 

Der Tricyclefahrer, der mich vom Fährhafen in Camiguin zu meinem Hotel brachte, sprach mich während der Fahrt an, ob ich mit ihm eine private Tour über die Insel unternehmen wolle. Er würde mir die besten Orte zeigen. Normalerweise gehe ich auf solche Angebote nicht ein, da ich – misstrauisches Wesen – dabei immer gleich von Abzocke ausgehe. 

Inzwischen hatte ich aber lernen müssen, dass man in den Philippinen in puncto Sightseeing aufgeschmissen ist, wenn man nicht eine teure Tour bucht oder sich selbst auf den Roller schwingt. Also dachte ich mir, es ist einen Versuch wert. Ich nahm das Angebot des Tricyclefahrers an, zumal er mir einen sehr guten Preis nannte. Ich habe es nicht bereut.

Am nächsten Morgen holte mich Jesson pünktlich um 10 Uhr mit dem Motorroller am Hotel ab und los ging die wilde Fahrt. Den ersten Halt machten wir an einer Stelle an der Hauptstraße, an der man einen schönen Ausblick aufs Meer hat. Ich machte wie gewohnt ein paar Fotos, aber Jesson war offensichtlich der Überzeugung, dass ich auf jedes Foto mit draufgehöre. Er wurde also für die nächsten Stunden mein Kameramann.

Im Anschluss bestiegen wir einen erloschenen Vulkan. Aus einem mir nicht bekannten Grund war am Rande des Wanderwegs Jesus Leidensweg figürlich nachgestellt. Ich litt beim Aufstieg zwar nicht so viel wie Jesus am Kreuz, aber es war schon eine sehr schweißtreibende Angelegenheit.

Jesson erzählte mir beim Wandern von sich. Er ist  – wenn ich alles richtig verstanden habe – 26, hat sechs Geschwister, von denen die meisten aber nicht mehr zu Hause leben. Er fährt Touristen durch die Gegend, muss seinem Vater aber auch auf der Farm helfen. Er ist in Camiguin geboren und hat dort sein komplettes Leben verbracht. Die zehn Kilometer entfernte philippinische Insel Mindanao ist der einzige Ort, an dem er außerhalb von Camiguin je gewesen ist. Ein komplett anderes Leben. Ich fand das sehr faszinierend.

Eine von Camiguins bekanntesten Sehenswürdigkeiten ist der versunkene Friedhof. Bei einem Vulkanausbruch im Jahr 1871 verschwand dieser im Meer. Taucher und Schnorchler können heute noch ein paar der Gräber unter Wasser erforschen. Weithin sichtbar markiert ein großes weißes Kreuz die Stelle, das auf einer Plattform im Wasser steht.

Wir erreichten die Plattform mit einem kleinen Boot. Per Hand wird das Boot entlang eines Seils dorthin gezogen.

Unser Bootsführer war ein lustiger Kerl. Er war noch fotoverrückter als Jesson und hatte seinen Spaß daran, uns unsinnige Posen nachstellen zu lassen. Das ist ja eigentlich für so einen ernsthaften Ort gar nicht angemessen, merke ich gerade. Aber die Idee ist ja nicht auf meinem Mist gewachsen.

Bei dem Vulkanausbruch versank nicht nur der Friedhof, die komplette Hauptstadt der Insel, in der die ersten Siedler Camiguins lebten, wurde zerstört. Übrig blieben nur die Grundmauern von drei Gebäuden. Darunter war die älteste Kirche der Insel. 

Danach gab es für mich eine Abkühlung und ich konnte endlich meine Schwimmsachen einweihen. Nach vier Monaten Weltreise. Das muss man sich mal vorstellen. Zuerst fuhren wir zu einer Kalten Quelle. Es war wie ein Freibad mitten im Dschungel. Jesson passte auf meinen Rucksack auf und so konnte ich ganz sorglos vor mich hinplanschen. 

Das ganze wiederholten wir an einem Trinkwasserschwimmbecken in einem anderen Teil des Dschungels. Es waren kaum Menschen dort, das Becken war riesig und die Wassertemperatur perfekt. 

 

Weil wir noch ein paar Sonnenstunden übrig hatten, besuchten wir auch noch die zwei höchsten Wasserfälle der Insel. Auch dort konnte man am Fuße der Fälle schwimmen, aber diesmal verzichtete ich und erfreute mich einfach so am tollen Anblick. Leider werden die Fotos den realen Dimensionen des zweiten Wasserfalles gar nicht gerecht. 

Auf dem Rückweg zum Hotel nahmen wir am Nachmittag nicht die Ringstraße, die am Meer entlangführt, sondern fuhren mitten durch den Dschungel und die Bergwelt im Inselinneren. Es ist wirklich paradiesisch hier. Ich hätte ewig weiterfahren können.

Aber nach dem ganzen Schwimmen und Laufen war ich auch ziemlich erledigt und dann doch ein bisschen froh, als wir wieder am Hotel waren. Es war ein super Tag und ich bin froh, die Tour bei Jesson „gebucht“ zu haben.

Am Mittwoch war ich dann wieder auf mich allein gestellt und musste mich mal wieder mit dem Ausdruck eines Tickets herumschlagen. Auch im Hotel in Camiguin war der Drucker kaputt (Ich frage mich, ob sie nicht zugeben wollen, dass sie gar keinen haben). Man beschrieb mir ein Internetcafé im sechs Kilometer entfernten Zentrum von Mambajao. Aber ohne mich. Google Maps zeigte mir ein Internetcafé in 500 Metern Entfernung an. 

Diesmal hatte die App zum Glück nicht gelogen. Als ich das Café betrat wurde ich eine Weile von rund 20 Kindern schweigend angestarrt, bis der Besitzer erschien, mich erlöste und mir den Drucker zeigte. 

Ich hatte weniger Zeit verplempert als befürchtet, sodass ich noch Zeit für einen Besuch auf White Island (Weiße Insel) hatte. Es ist weniger eine richtige Insel, als eine große Sandbank vor Camiguin, die man mit dem Boot in zehn Minuten erreicht. 

Da es dort keinerlei Bäume oder Bebauung gibt, kann der Besuch eine schweißtreibende Angelegenheit sein. Aber ich hatte Glück. Es war ein wolkenverhangener Nachmittag, sodass man es auf der Insel super aushalten konnte. Das Wasser war kristallklar, auch dort, wo ich nicht mehr stehen konnte und überbevölkert war das Fleckchen Paradies auch nicht. So konnte ich – ganz ungestört – das erste Mal auf meiner Reise endlich auch im Meer baden.

 

Nach zwei Stunden wurde ich von meinem Boot wieder abgeholt und damit war mein Abenteuer auf Camiguin beendet. 

Am nächsten Morgen brachte mich ein Tricyclefahrer zum winzigen Inselflughafen. Mit einer Propellermaschine ging es zuerst zurück nach Cebu. Wofür ich mit Fähre und Bus rund neun Stunden gebraucht hatte, legten wir nun in einer Dreiviertel Stunde zurück. 

Der Flug war mir sehr unangenehm. Ich war die einzige Passagierin in der Premium Economy Class und wurde vor den Augen meiner Mitreisenden mit warmen Sandwiches und Getränken umsorgt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass das Ticket für die Premium Economy Class nur unbedeutend teurer als das normale Ticket war. Und ich hatte es lediglich wegen der höheren Gepäckfreigrenze gebucht. 

In Cebu hatte ich einige Stunden Aufenthalt, aber da ich Flughäfen liebe, verging die Zeit ratzefatz. Auf dem Weg nach Puerto Princesa auf Palawan waren wir zum Glück wenigstens zu viert in der Premium Economy Class. Nicht ganz so peinlich.

Es war leider schon dunkel, als wir in Puerto Princesa landeten. Ich hasse es, im Dunkeln irgendwo anzukommen. Dann fühle ich mich immer so orientierungslos. Die Taxis waren zum Glück leicht zu finden, wie immer wurde ich von den Fahrern gleich angequatscht. Auf dem Weg zum Hostel buchte ich bei meinem Taxifahrer gleich meinen Weitertransport für Sonntag, nach El Nido im Norden der Insel. Ein Problem weniger.

Nach dem komfortablen Aufenthalt in meinem privaten Bungalow bezog ich nun im Hostel mein 16-Bett-Zimmer. Allerdings hört sich das schlimmer an, als es war. Außer mir schlief lediglich Joe aus England in dem Zimmer. Es ist eben immer noch Nebensaison. Vergangene Nacht hatte ich den Schlafsaal sogar komplett für mich allein.

Für mein Sightseeingprogramm in Puerto Princesa hatte ich sicherheitshalber bereits vor meiner Ankunft gesorgt. Das Trauma von Cebu City spukte noch in meinem Hinterkopf. Ich hatte eine Tour zum berühmten unterirdischen Fluss in einem Nationalpark in der Nähe von Puerto Princesa gebucht. Der Nationalpark ist UNESCO-Weltnaturerbe und wurde außerdem zu einem der sieben neuen Weltnaturwunder erklärt. Das ist aber ein eher semioffizieller Titel, so wie ich das verstanden habe. 

Ich wurde zu unsittlicher Zeit von meinem Tourbus im Hostel abgeholt, danach sammelten wir die anderen neun Teilnehmer ein, die wieder zum Großteil Taiwanesen und Filipinos waren. Die Fahrt war recht langwierig. Am Ziel angekommen, verabschiedeten wir uns von unserer Reiseleiterin, die für uns die ebenso langwierige Registrierung am Hafen vornahm, während uns der Fahrer weiter zu einem nahen Mangrovenwald kutschierte, durch den wir mit einem Paddelboot schipperten.

 

Im Anschluss gab es Mittagessen, dann stiegen wir in ein Motorboot, dass uns zum Höhleneingang brachte. Alles lief wie am Schnürchen, muss ich echt mal sagen (Ich war vor der Reise auf die Philippinen darauf hingewiesen worden, dass man hier bei solchen Sachen viel Geduld mitbringen muss). 

Rund um die Höhle liegt ein kleiner Wald. Wir wurden vor den aggressiven Bewohnern gewarnt: Affen, die es auf Handys und Essen der Touristen abgesehen haben. Ich sah aber nur einen einzigen, sehr friedlichen Affen.

Am Höhleneingang wurden wir wieder in ein Paddelboot gequetscht. Außerdem wurden wir mit Audioguides und Kopfhörern ausgestattet, da man in der Höhle nicht sprechen soll, um die Fledermäuse nicht zu stören. Eigentlich. 

Der unterirdische Fluss in der Höhle ist rund acht Kilometer lang. Die Touristenboote befahren zwei Kilometer und drehen dann wieder um. Wenn die Bootsführer ihre Taschenlampen ausschalten, ist es in der Höhle stockstockdunkel. 

Bei Licht sieht man überall Fledermäuse herumflattern. Wir wurden ermahnt, unseren Mund in der Höhle nicht zu öffnen, damit wir nicht dummerweise Fledermausexkremente verschlucken. Das hinderte den philipinischen Opa in der Reihe vor mir trotzdem nicht daran, munter zu plappern. Was ein wenig nervig war, weil ich dem Audioguide folgen wollte. Dass der Bootsführer aus der letzten Reihe permanent  seine eigenen Schilderungen kundtat, half der Sache auch nicht. 

Je tiefer wir in die Höhle hineinfuhren, desto höher wurde die Decke. Ich kam mir vor, wie in einer unterirdischen Kathedrale. Überall wucherten riesige Stalaktiten. Meine Kamera versagte in der Dunkelheit. Ich habe ein ganz kurzes Video gedreht, leider nicht vom Kathedralenteil sondern vom Eingang der Höhle. 

Im Anschluss ging es retour: Paddelboot, Motorboot, Tourbus, Hostel. Den Abend verbrachte ich in estnisch, englisch, australisch, niederländischer Gesellschaft im Hof des Hostels. 

Heute war ich zum ersten Mal seit Ulan-Bator wieder in einem richtigen Supermarkt. Kein Tante-Emma-Laden wie in Korea und Taiwan (für die Kundigen – ich rede vom 7-Eleven), keine Bretterverschläge wie bislang in den Philippinen. Nein, ein richtiger, großer Supermarkt mit Einkaufswägen und Rollband und Kasse. Eigentlich brauchte ich gar nicht viel, aber es war trotzdem eine wohltuende Abwechslung.

Während ich diesen Bericht schreibe, warte ich darauf, dass mich der Bus für meine nächste Tour abholt. Diese Geschichte erzähle ich euch dann beim nächsten Mal. 

Dieser Beitrag hat 10 Kommentare

  1. Mensch Mädchen.. Du bist ja ganz dünn geworden 😱

    1. 😂 Ich habe keine Waage im Rucksack, aber ich habe mit meiner Nagelschere ein neues Loch in meinen Gürtel bohren müssen.

  2. Mensch Anne, endlich sehe ich mal wie gut, toll gebräunt und megaerholt Du jetzt aussiehst! 🙂 So ein eigener Fotograf hat schon was von einem leichten Promistatus 😉 – Und der Bootsführer schießt ja den Vogel ab! Supergelungene Bilder! Sehr schön! – Hab noch eine schöne Zeit auf Deinen paradiesischen Inseln…während wir hier langsam aber sicher in die kalte Jahreszeit hineinschlittern. *schlotter

    1. Danke für das Kompliment 🙂 Und ich muss gestehen, ich bin nicht neidisch, dass ihr jetzt langsam in der Kälte zittert…

  3. Haben noch sehr spät gestern Abend ,so als gute Nacht Geschichte, Deinen neuen Reisebericht entdeckt und gelesen. …. herrrlich , mit Deinem Chauffeur hast Du diesmal ein richtiges Multitalent erwischt. Lustige Aufnahmen und der paradiesische Hintergrund, Deine Standorte werden immer schöner. Wir freuen uns mit Dir, genieße diese Zeit und erlebe weitere interessante Orte und nette Mitmenschen auf Deiner großen Reise ….und, wir bleiben wie immer schön neugierig

    1. Es war wirklich ein Glücksgriff. Man darf eben nicht immer so misstrauisch sein 🙂

  4. Wieder toller Bericht und Bilder,jetzt erinnert mich wirklich nichts mehr ans Elbsandsteingebirge…

    1. Dass ich das noch erleben darf…

  5. Aaaah, es wird langsam! Der Hut von hinten fehlt noch… 🤣 Aber schon nen eigenen Fotografen, ist ja schon ein Anfang. Sehr witzige Posen, hab ich teilweise schon mal bei ner Hochzeit gemacht (mit dem Fuß). Superschöne Landschaft und cool, dass du da so tolle Begegnungen hast!

    1. Oh ja, bei ner Hochzeit kann ich mir sowas auch gut vorstellen!

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