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Als Lena und ich im Vorort vom Vorort von Barcelona landeten

Dass mir hier jetzt keiner damit kommt, dass im Foto ja ganz klar dieses eine Castello in Saragossa zu erkennen sei und dies in Verbindung mit der barcelonalastigen Überschrift gar nicht gehe und so könne man das alles nicht veröffentlichen… Ich kann hier machen was ich will und Lena und ich haben es halt verkackt und kein Selfie in unserem tollen barcelonischen Vorort gemacht. Toll, Lena!

Nach diesem liebevollen Vorwort beginne ich mit den Ereignissen der vergangenen zwei Wochen. Ich hoffe, dass ihr am Ende des Berichts endlich wieder auf dem aktuellen Stand seid. Das habe ich ja bei den letzten Malen nie hinbekommen. Seit zwei Tagen reise ich aber nach langer Zeit wieder alleine und habe deshalb auch wieder mehr Zeit.

Vamos. Nach unserem adrenalingefüllten Rutschentag in Benidorm beschlossen Mama, Marie und ich, den letzten Tag in unserem Ferienhaus gemütlich anzugehen. Ich musste mich um meinen Blog kümmern, die beiden anderen abbaden und packen war auch schon angesagt.

Abends gingen wir aber noch einmal fein essen. Wir fuhren wieder zu unserem Hausstrand El Arenal, weil uns dort die Promenade bei unserem ersten Besuch sehr gefallen hatte.

In einem schicken Restaurant ließen wir uns im Außenbereich nieder.

Mama hatte zehn Tage davon fantasiert, dass sie unbedingt noch Paella essen wolle und jetzt war endlich ihr Moment gekommen. Sie teilte sich mit Marie einen riesigen Bottich. Paula und ich hielten es italienisch: Für mich gab es Pizza und für den Zwerg eine ganze Schüssel Spaghetti Bolognese. (Die sie in der Sekunde links liegen ließ, als meine Pizza ankam. Die war viel interessanter.)

Im Anschluss liefen wir noch einmal die Promenade ab und fanden eine Eisdiele mit herrlichem Pistazieneis. Und Bananeneis gab es da endlich auch mal.

Damit war unser toller Familienurlaub leider so gut wie vorbei. Der nächste Morgen war erst einmal stressig mit der ganzen Restepackerei. Irgendwie schafften wir es, pünktlich um 10 Uhr die Haustür hinter uns zuzuziehen. 

Ich wurde dann erst einmal am Parkplatz vor dem Haus zurückgelassen, weil kein Platz mehr im Auto war. Der wurde nämlich von einem Stapel Müllsäcke in Beschlag genommen. Aber netterweise kamen die anderen nach dem Müll wegbringen nochmal vorbei, um mich einzusammeln.

Wir hatten noch ein paar Stunden, bis wir den Mietwagen am Flughafen in Valencia abgeben mussten. Geplant hatten wir, dass wir auf halber Strecke nach Valencia am Strand von Gandia halten und dort ein letztes Mal im Meer baden. 

Als wir aber in Gandia ankamen, hatte keine mehr so richtig Lust auf Baden. Wir wollten lieber auf einer schönen Promenade entlangbummeln. Marie parkte deshalb irgendwo am Straßenrand und ich lief schnell zum Meer auf kleine Erkundungstour. Das Resultat: Der Strand war schön und feinsandig, aber eine geeignete Promenade fand sich nicht.

Wir scannten dann die Satellitenbilder bei Google Maps und fanden etwas nördlich in Cullera vielversprechende Aufnahmen einer längeren Promenade. Also nochmal ab ins Auto.

Die Promenade fanden wir wirklich vor und liefen dort ein wenig rum. Mama sagte dem Meer auf Wiedersehen, Paula wippte auf dem Spielplatz und ich bekam ein paar neue Flip Flops, weil sich meine vanuatischen Notfall-Flip Flops inzwischen halb aufgelöst hatten.

Die Stadt kam uns insgesamt ziemlich ausgestorben vor. Ganz viele geschlossene Geschäfte, wenig Touristen. 

Bei der Mietwagenrückgabe gab es es keine besonderen Vorkommnisse. Das Shuttle brachte uns zur Abflughalle, wo wir unser Gepäck alle noch einmal neu sortierten und umschichteten. Ich wartete noch, bis die anderen eingecheckt hatten und dann kam leider auch schon wieder der Abschied. Herrje, die zehn Tage waren wirklich vorbeigeflogen. 

Während meine Familie sich auf den Weg zum Sicherheitsbereich machte, lief ich zur Metrostation. Ich war schon ein wenig traurig, aber ich hatte auch Grund zur Vorfreude. Denn meine Weltreisefreundin Lena war schon am Vortag in Valencia angekommen und dort wollten wir uns nun für unsere gemeinsame Woche in Spanien treffen.

Ich fuhr also zur vereinbarten Metrostation, setzte mich auf eine Bank und wartete auf Lena, die mit einem Buschaos zu kämpfen hatte.

An der Metrostation irgendwo in Valencia

Allzulange warten musste ich aber nicht, da kam sie dann  – frisch vom Strand. 

Vielleicht noch eine kurze Erklärung zu Lena: Wir hatten uns im März 2020 an der Rezeption meines Hostels in Auckland kennengelernt. Da war gerade verkündet worden, dass Neuseeland wegen Corona in den Lockdown geht und alle Backpacker versuchten, noch irgendwo unterzukommen. Wir waren danach jedenfalls circa zwei Wochen zusammen im Lockdown in dem Hostel. Das schweißt zusammen. Da kann man dann auch darüber hinwegsehen, dass Lena aus Bayern kommt…

Nach der Begrüßung liefen wir beide zurück zum Hostel, in das Lena schon am Vortag eingecheckt hatte. Wir machten uns kurz frisch und liefen noch einmal los, um eine Lokalität fürs Abendessen zu finden. In einem kleinen Imbiss/Restaurant wurden wir fündig, setzten uns in den Außenbereich und aßen beide fett belegte Bocadillos (also belegte Baguettes). 

Meins war sehr lecker, auch wenn ich am nächsten Tag eine kleine Olivenölreaktion hatte. Hielt aber nicht lange.

Während wir noch schön draußen saßen und unser Bier tranken, öffnete sich auf einmal der Himmel. Aber was für ein Regen da runter kam. Wir flüchteten ins Restaurant und warteten eine Ewigkeit, bis sich der Regen wieder legte.

Danach gingen wir in den Supermarkt, kauften noch ein paar Bier, setzten uns auf eine Parkbank und hatten uns natürlich jede Menge zu erzählen.

Am nächsten Morgen hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, bis unser Zug am Mittag fahren würde. Also liefen wir ein wenig durch die Stadt. Lena wollte in einen Park, in dem sie bei ihrem letzten Besuch der Stadt gewesen war und ich wollte unbedingt noch einmal so eine leckere Zimtschnecke aus der Bäckerei.

Statt Zimtschnecken wurden an diesem Tag allerdings Pistazienschnecken gebacken und ich habe noch nie in meinem Leben etwas Leckereres gegessen als diese Pistazienschnecke. Alleine dafür würde es sich lohnen, nach Valencia auszuwandern.

Durch eine schicke Markthalle liefen wir noch auf unserem Weg zurück zum Hostel.

Dort schnappten wir unser Gepäck und machten noch kurz am Supermarkt Halt. Ich hatte ja meine Schnecke, aber Lena hatte noch kein Frühstück.

Mit Gepäckhaufen vor dem Supermarkt

Es war noch ein Stückchen bis zum Bahnhof. Vor Ort gab es wieder die Verwirrung, von welchem Gleis denn unser Zug jetzt abfahren würde. Das ist wirklich nervig, dass die das in Spanien immer erst so kurz vor der Abfahrt festlegen. 

Zum Glück gab es in Valencia wenigstens keine ausgeklügelte Sicherheitskontrolle. Vielleicht, weil wir mit einem Bummelzug unterwegs sein würden. Der war winzig, er hatte nämlich nur zwei Waggons. Und damit tingelten wir rund fünf Stunden nach Saragossa. 

Auf der Fahrt nach Saragossa

Der örtliche Bahnhof war ein wenig im Nirgendwo. Wir ließen uns zunächst auf dem Vorplatz nieder und konsultierten Google Maps für unseren bevorstehenden Fußmarsch.

Auf dem Bahnhofsvorplatz

Ich weiß nicht mehr genau, wie weit es zu unserer Wohnung im Stadtzentrum war – vielleicht so zwei Kilometer. Jedenfalls gönnten wir uns mit unserem schweren Gepäck zwischendurch eine Verschnaufpause im Schatten.

Um den Schlüssel für unsere AirBnB-Wohnung zu bekommen, mussten wir zuerst zu einem anderen Haus. Wir hatten eine kompliziert anmutende Anleitung erhalten, wo wir welchen Türcode eingeben und zu welchem Treppenabsatz wir laufen sollten. Was wir vorfanden, sah etwas wild aus.

Zum Glück ließ sich unser Schlüssel ohne Probleme aus seiner Box befreien. Vor so einer Box waren Mama, Marie und ich in Portugal ja mal verzweifelt. Oder war das auf Mallorca gewesen?

Mit Schlüssel ging es dann endlich zu unserer eigentlichen Wohnung.

Vor der Haustür noch schnell die letzten Instruktionen checken

Unsere Wohnung war im Dachgeschoss und super cool. Küche, Bad, Schlafzimmer, Wohnzimmer alles prima, aber das beste war die große Dachterrasse, wo wir unsere Abende verbrachten. Wir erreichten sie über eine Wendeltreppe im Wohnzimmer.

Hm, was taten wir an diesem Abend noch? Wir gingen im Supermarkt einkaufen und Lena machte uns Tacos, während ich meinen letzten Blogeintrag fertig machen wollte, was am Ende daran scheiterte, dass der Speicherplatz meiner Website aufgebraucht war. (Am nächsten Tag ließ sich das Problem zum Glück schnell lösen, weil ich einen super Hoster habe.)

Und dann verbrachten wir den Abend auf der bereits erwähnten Dachterrasse. Weil wir es erst zu vorgerückter Stunde ins Bett schafften, schliefen wir am nächsten Morgen erst einmal aus. Zu einer Stadtbesichtigung schafften wir es aber trotzdem noch.

Saragossa wurde von den ollen Römern gegründet. Dementsprechend sind noch einige Mauerreste zu finden. Und Caesar ist uns begegnet.

Das heutige architektonische Highlight der Stadt ist allerdings die völlig überdimensionierte Basilica del Pilar. Sie ist die größte Barockkirche Spaniens.

Überraschenderweise konnten wir da einfach so reinspazieren, ohne Eintritt zu bezahlen. In Sevilla zum Beispiel musste man ja richtig vorher Tickets kaufen. Aber in Saragossa war touristisch auch nicht allzu viel los, vielleicht lag es daran.

Drinnen war die Kirche jedenfalls natürlich auch sehr prächtig.

Wir sahen uns noch ein paar andere Orte in der Altstadt an, die Catedral del Salvador oder den Plaza de la Santa Cruz zum Beispiel. Aber weder Lena noch ich hatten zuvor irgendwelche Reiseführer studiert. Wir ließen uns einfach ein bisschen treiben und wussten jetzt auch nicht bei jedem Stein, was es genau damit auf sich hat.

In den Einkaufsstraßen schauten wir vorbei, behielten aber unser Geld bei uns. Nur eine Cola gönnten wir uns in einem Pub. Dann ging es kurzzeitig zurück in die Wohnung. Dabei liefen wir noch durch die Markthalle, die gleich nebenan liegt. Die war aber von innen nicht so schön wie die in Valencia.

Fürs Abendessen suchten wir uns ein Restaurant raus, dass sowohl Lenas als auch meinen Vorlieben gerecht werden konnte: Lena bekam ihre geliebten Tapas und ich einen Burger, der auch richtig köstlich war. Und danach ließen wir den Abend natürlich wieder auf unserer geliebten Dachterrasse ausklingen.

Jetzt habe ich schon wieder Erinnerungslücken, aber ich glaube, am nächsten Tag kamen wir gar nicht in die Puschen. Oder ich zumindest. Ich glaube, nach dem Frühstück machte ich nochmal ein Nickerchen. 

Lena war etwas produktiver, sie lief zu dem großen Supermarkt vom ersten Tag, um sich da mal ganz in Ruhe – also ohne, dass ich störe – umzuschauen. Sie findet sowas interessant, ich finde sowas nervig.

Am Nachmittag besichtigten wir aber das eingangs erwähnte Castello. Also eigentlich soll es ein Palast sein – der Palacio Aljafería – für mich sieht es eher wie eine Burg aus. 

Wir waren aber auch nicht drinnen, sondern wollten nur um die Anlage herumlaufen. Es kam zu einer Verwirrung darüber, welcher Weg um die Anlage denn jetzt öffentlich ist und für welchen man zahlen muss. Wir liefen gleich zweimal aus Versehen zielstrebig Richtung Bezahlweg, weil die Beschilderung wirklich mangelhaft war. Aber wir wurden von zwei Sicherheitsleuten genauso zielstrebig verfolgt und auf den rechten Weg geführt.

Abendessen gab es wieder daheim. Wir aßen diese spanischen Käse-Schinken-Kroketten und Rucola und Lena briet sich noch irgendeinen Fisch dazu. 

Zu später Stunde machten wir uns noch einmal Richtung Kathedrale auf, weil wir sie mal in ihrer nächtlichen Beleuchtung sehen wollten. Leider konnten wir nicht lange verweilen, weil es ziemlich zu regnen anfing.

Der Abschied von Saragossa war schon gekommen. Wir trauerten unserer Wohnung fast mehr hinterher als der Stadt, als wir die Tür am nächsten Morgen hinter uns zuzogen. 

Vor uns lag ein mehr als halbstündiger Marsch zum Bahnhof. Wir verliefen uns einmal kurz in der Schlossgartenanlage vom Vortag, durch die wir auf unserem Weg mussten, aber eine aufmerksame Einheimische eilte sofort zu Hilfe.

Schweißgebadet kamen wir am Bahnhof an und hatten einmal mehr das Problem mit der fehlenden Gleisnummer. Als die endlich feststand, mussten wir diesmal durch mehrere Sicherheitskontrollen. Dabei wurde unser Gepäck moniert, es sei zu groß und wir müssten extra zahlen. Wo gibt’s denn sowas, im Zug für Gepäck extra zahlen.

Naja, vielleicht lag es daran, dass wir Plätze in Spaniens Hochgeschwindigkeitszug gebucht hatten. Der braust mit 300 km/h durchs Land.

Warten auf den High Speed Zug

Wir hatten uns im Zug gerade auf unsere Plätze gesetzt, da kam auch schon der bestens informierte Schaffner an, um jeder von uns 30 Euro für unser Gepäck abzuzwacken. Naja, dafür brachte uns der Zug in nur 1,5 Stunden nach Barcelona. Für die identisch lange Strecke von Valencia nach Saragossa hatten wir im Bummelzug ja fünf Stunden gebraucht.

In Barcelona war allerdings für uns noch nicht Endstation. Wir hatten ein AirBnB gebucht gehabt, bei dem ich die längste Zeit davon ausgegangen war, dass es sich in Barcelona befindet. 

Lena klärte mich kurz vor unserer Reise darüber auf, dass wir uns ein ganzes Stück von Barcelona entfernt eingemietet hatten. Und das kam so: Ich hatte das AirBnB damals vorgeschlagen, aber überhaupt nicht darauf geachtet, wo sich das genau befindet. Lena wiederum hatte zwar gesehen, dass es sich nicht in Barcelona befindet, war aber davon ausgegangen, dass ich das so wolle.

Und so kam es, dass unser Ziel für diesen Tag El Masnou hieß. Und es ist der Vorort vom Vorort, weil zwischen El Masnou und Barcelona auch noch der größere Vorort Badalona liegt. 

Eine 30-minütige Zugfahrt war unser Vorvorort noch von unserem Bahnhof in Barcelona entfernt. So schlimm war die aber auch nicht, bis auf die Rapper, die unseren Waggon mit Livemusik unterhielten. Ich fands nervig, Lena fands super. Wieso sind wir überhaupt befreundet.

In El Masnou angekommen verarschte uns Google Maps erst einmal so richtig. Es schickte uns irgendwelche steilen Berge hinauf, bis wir irgendwann feststellten, dass es uns zu einer komplett falschen Adresse navigierte. 

Im zweiten Anlauf fanden wir die richtige Adresse und ich musste erst einmal unter die Dusche, bevor ich mich mit unserer Gastgeberin für die nächsten vier Tage beschäftigen konnte.

Diesmal hatten wir keine eigene Wohnung sondern kamen bei der 79-Jährigen Line und ihren drei Katzen unter. Line war super nett und wir konnten uns in einem Mix aus Spanisch, Französisch und Englisch ganz gut verständigen.

Line ist ursprünglich aus Frankreich, lebt aber schon seit Ewigkeiten in Spanien. Sie hatte früher eine Sprachschule, die sie inzwischen aber verkauft hat und nur ab und zu mal dort vorbeischaut.

Lines drei Katzen

Wir machten einen kleinen Mittagsschlaf (oder nur ich?) und liefen am Abend an den Strand, der nur zehn Minuten entfernt und angenehm leer war.

Ich habe insgesamt nur total wenig Fotos von El Masnou gemacht, ist mir jetzt beim Sichten aufgefallen. Deswegen kann ich nicht zimperlich sein und muss das verbraten, was da ist. Hier also ein Foto von unserem Heimweg vom Strand durch die leeren Straßen.

Die nächsten zwei Tage kann ich zeitgleich abhandeln, denn wir haben es geschafft, beide Tage so ziemlich identisch zu begehen.

Nach dem viel zu späten Aufstehen liefen wir zum Pool. Das war nämlich das I-Tüpfelchen an Lines Wohnung. Sie hatte Zugang zu einem privaten Nachbarschaftspool. Den durften wir auch benutzen. Line gab uns die Schlüssel und eine Karte mit einer Erklärung, die wir dem Poolchef unter die Nase halten sollten, falls der wissen wollte, wer wir sind.

Der Pool war richtig groß, gepflegt und es gab auch einige Schattenplätze. Wir machten uns gleich am Wasser breit, während die vielen Stammgäste im Gastrobereich saßen und irgendwann zu singen anfingen.

Der Poolmeister befragte uns am ersten Tag tatsächlich zu unserem Aufenthaltsstatus, aber mit der von Lena hingehaltenen Karte war er vollkommen zufrieden.

Nach dem Pool zogen wir zum Strand weiter. Hier gab es einen Unterschied: An Tag 1 konnten wir ins Wasser, an Tag 2 war es viel zu windig und wellig dafür. Aber sonnenbaden ging trotzdem.

Ich lief dann „immer“ schon zurück zur Wohnung, um zu duschen, während Lena noch am Strand chillte. Und abends gingen wir zum Restaurant in der Nachbarschaft, wo Lena wieder bei den Tapas zuschlug und ich an beiden Abenden eine vorzügliche Käsepizza verschlang.

Ok, aber so gerne ich auch noch einen dritten Tag so chillig verbracht hätte, vielleicht ist euch das Problem aufgefallen: Wir waren überhaupt noch nicht in Barcelona gewesen.

Diesen Makel mussten wir an unserem letzten Tag ausbessern. Einigermaßen früh machten wir uns mit dem Zug also Richtung Großstadt auf. 

Ich fand die Haltestelle El Clot, an der wir ausstiegen, etwas gruselig, mit all den unverputzten Wänden. Und dunkel war es.

Der erste Eindruck vom überirdischen Barcelona war für mich auch so naja. Eben eine große Stadt. Nach etwa 20 Minuten kamen wir an der Sagrada Familia an, die im Moment recht eingerüstet ist.

Und so viele Menschen, was für ein Chaos. Selbst Lena meinte, dass sie es nicht mehr lange hier aushalten könne. Aber sie erinnerte sich von ihrem letzten Besuch an einen Park auf der anderen Seite der Kirche, wo es etwas ruhiger zugehen würde. Von da hatten wir auch nochmal einen netten Blick auf das Wahrzeichen Barcelonas.

Bevor wir uns zu der Einkaufsflaniermeile Las Ramblas aufmachen konnten, brauchten wir jetzt schon eine Erholungspause in einem Café. Vom anschließenden Weg blieb mir nur dieses von Gaudí gestaltete Haus in positiver Erinnerung.

Die Meckerei geht noch weiter. Denn auch Las Ramblas war einfach viel zu voll. Und man kann da ja nur auf dem Mittelabschnitt flanieren. Will man in ein Geschäft links oder rechts, muss man zuerst Autostraßen überqueren.

Dann wurde es aber besser. Zuerst einmal entdeckten wir den sehr ansehnlichen Plaça Reial neben Las Ramblas.

Und nach unserem zünftigen Mittagessen bei Taco Bell (ich muss es eben ausnutzen, so lange ich es habe) liefen wir ganz lange durch das gotische Viertel, das auch neben Las Ramblas beginnt. Das fand ich ganz wunderschön.

Es gab auch wieder jede Menge kleine Gässchen, in denen wir uns verlieren konnten. So urig wie in Sevilla waren sie zwar wieder nicht, aber ich will mich nicht zu sehr beklagen.

Wir hatten auch noch Zeit, an den Hafen zu laufen. Dort sahen wir jede Menge Segelboote, riesige und flauschige Möwen und ein paar grölende Horden, vermutlich Fußballfans. Das hätte jedenfalls das große Polizeiaufgebot überall in der Stadt erklärt.

Lena deckte sich in einem Supermarkt noch mit Leckereien für daheim ein und dann stiegen wir in die Bahn, um zurück in unseren inzwischen liebgewonnenen und ruhigen Vorvorort zu fahren. Wir bekamen sogar einen Sitzplatz.

Ich wollte euch noch ein cooles Haus in El Masnou zeigen, das in der Haupteinkaufsstraße am Meer steht.

Lena hatte Line in Barcelona eine Flasche Wein als Dankeschön besorgt. Den überreichten wir ihr bei unserer Rückkehr. Im Endeffekt tranken wir ihn dann gleich weg. Line hatte noch eine Freundin bei sich, die sehr lustig war. Die beiden hatten den ganzen Tag die Wohnung geputzt und jetzt ließen wir den Abend eben zu viert bei Wein und Popcorn ausklingen.

Für Lena und mich war es auch das Ende unserer gemeinsamen Reise. Schon wieder eine Woche um. Wir packten noch ein wenig an unseren Rucksäcken rum, und gingen viel zu spät ins Bett.

Der Wecker klingelte schon um 6:40 Uhr für mich. Meine Fluggesellschaft hatte mir nämlich mitgeteilt, dass ich für meinen 13-Uhr-Flug bereits um 9 Uhr am Flughafen sein sollte. Warum, weiß keiner. Aber als Deutsche nehme ich solche Mitteilungen natürlich sehr ernst.

Also verabschiedete ich mich von Lena, die noch etwas länger schlafen konnte, sagte auch Line Tschüss, die extra aufgestanden war, und schlappte dann zur Bahn.

Mutterseelenallein war ich jetzt wieder, nach meiner Gruppenreise durch Marokko, meinem Familienurlaub und meinem Freundinnenurlaub. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Nach zwei Bahnen und einem Bus kam ich an meinem Terminal an. Am Check in war (noch?) kaum was los, sodass die Sache schnell erledigt war. Und dann lungerte ich eben noch zwei Stunden an den Gates rum.

Unser Flieger hatte eine Spezialbemalung. Der hintere Teil war im Star Wars Look bemalt, mit einem Stormtrooper  – oder wie die Dinger heißen, hab das ja nie gesehen – auf dem Seitenruder. Leider durch die blöde Fensterfolie auf dem Foto kaum zu erkennen.

Im Flugzeug wurde ich kurz ganz aufgeregt. Da konnte ich unsere geplante Flugroute auf meinem Sitzmonitor sehen. Und laut dieser Route wären wir einmal diagonal über Marokko geflogen. Leider flogen wir am Ende an Marokko vorbei. So schade.

Ich schlief nur am Anfang des Flugs ganz kurz und schaute danach einen Film nach dem anderen. Die elf Stunden gingen so ganz gut vorbei. Was mich nur tierisch nervt, ist die neue Mode, dass auf Tagesflügen jetzt immer alle Fenster verrammelt werden sollen. 

Ich buche mir extra Fensterplätze damit ich aus dem Fenster gucken kann, aber das kann ich anscheinend nicht mehr selbst entscheiden, ob ich den Schieber oben oder unten haben will. Und dann sitzt man da die ganze Zeit im Dunkeln. Das ist doch deprimierend.

Nach diesen elf deprimierenden Stunden landeten wir jedenfalls in Sao Paulo. Mein Terminal 2, von dem ich vier Stunden später nach Santiago abheben sollte, war auch deprimierend. Also vertrieb ich mir die Zeit lieber bei den Nachbarn im schicken Terminal 3.

Und nebenbei versuchte ich mich noch an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich nun in Südamerika war. Fühlte sich unwirklich an.

Den Flug nach Chile mitten in der Nacht verschlief ich wirklich zu einem großen Teil. Deswegen war der schnell erledigt. Die ersten Eindrücke, die ich vom Flughafen in Santiago bekam, fand ich sehr schick.

Der Einreisebeamte wollte von mir nur wissen, woher ich komme und wo ich in Santiago übernachte. Bei der Zollkontrolle musste ich nur einen Wisch abgeben, der bestätigte, dass ich keine Naturprodukte dabei habe. Und dann war ich drin in Land 27 meiner Reise.

Da es nicht mal 4 Uhr am Morgen war, blieb ich die nächsten Stunden aber noch am Flughafen. Mein Plan war es, erst gegen 14 Uhr am Hostel zu erscheinen, damit ich dort sofort einchecken und ins Bett fallen könnte.

Irgendwie vertrieb ich mir die Zeit am Handy. Mindestens eine Stunde versuchte ich auch rauszufinden, mit welchem Taxi ich denn nun in die Stadt komme. Einfach draußen ein Taxi nehmen? Zu einem Taxischalter gehen? Und welches Unternehmen ist das beste?

Weil mich das Internet ganz wuschig machte, hatte ich große Angst, über den Tisch gezogen zu werden. Im Endeffekt zog ich das Taxiunternehmen über den Tisch. Unbeabsichtigt natürlich. 

Ich ging zu einem der offiziellen Schalter und teilte der Mitarbeiterin in meinem gebrochenen Spanisch mit, dass ich ins Zentrum wolle. Die berechnete den Preis entsprechend und brachte mich zu einem sehr netten Taxifahrer.

Der hörte dann meine Wunschadresse und erklärte mir, dass die gar nicht im Zentrum sei und das mehr koste. Im Endeffekt berechnete er mir aber doch nichts extra und wartete vor meinem Hostel, bis mir Ivan, der Hostelbesitzer die Tür öffnete.

Neben Ivan lernte ich nach meiner Ankunft noch meinen Zimmergenossen Marc aus den Niederlanden kennen. Wir saßen noch kurz zusammen, bevor ich mich ins Bett verabschiedete und rund 17 Stunden schlief wie ein Stein. Ich hatte es wirklich nötig.

Heute Vormittag lief ich kurz zum örtlichen Supermarkt. Von der Straße vor dem Supermarkt aus kann man schneebedeckte Berge sehen. Leider auf dem schnell geschossenen Foto kaum zu erkennen.

Apropos Schnee, es ist mir hier bitterkalt. Ich habe nach dem Supermarkt angefangen, diesen Blogeintrag hier zu schreiben und saß dabei die meiste Zeit mit meiner grünen Jacke unter der dicken Decke im Bett.

Ivan meinte, sowas hätte er in all seinen Jahren hier noch nie erlebt. Also das Wetter, nicht mich. Eigentlich sollten wir uns hier schon im besten Frühling befinden.

Ich muss mir auf jeden Fall schnell etwas einfallen lassen. Wenn das Wetter nicht besser wird, kann ich hier nicht bleiben. Ich werde jetzt definitiv schauen, dass ich so schnell wie möglich nordwärts komme. Und dann vielleicht in zwei Monaten nochmal im Süden von Chile vorbeischauen.

Aber mal gucken. Morgen muss ich erstmal anfangen, mir Santiago etwas anzuschauen. Bislang habe ich ja nur den Supermarkt gesehen. Und wieder etwas regelmäßiger schreiben will ich hier, jetzt wo meine ganzen Besuche und Gruppentouren vorbei sind. Dann ufern die Berichte auch nicht mehr so aus.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Opa Hans

    Ja, Anne, nun bist Du uns wieder weit entrückt und auf Dich allein gestellt. Aber bisher bist Du ja überall auf nette Mitmenschen gestoßen also hoffe ich, Du hast mit Deinem neuen Reiseziel wieder die richtige Wahl getroffen. Vor allem bleibe schön gesund und wie immer – pass auf Dich auf.

    1. Anne

      Bislang habe ich hier in Santiago auch sehr nette Menschen getroffen, so kann es weitergehen 🙂

  2. Weltreisefreundin Lena

    Liebe Anne,
    es war mir eine große Ehre, deine Weltreise ein Stück begleiten zu dürfen.
    Danke für deine liebevollen Worte und vergelts Gott, dass du mich trotz meiner Herkunft habwegs leiden kannst. 😉

    1. Anne

      Die Ehre war ganz meinerseits 🙂 Und das mit der Herkunft ist halt nicht zu ändern…

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